Mittwoch, 23. April 2014

Sumpfmonster-Rock

Was hat mich nur so lange am bloggen gehindert? Dieser Rock! Ein mehr oder weniger glockenförmiger Rock mit zwei Lagen: Eine obere aus Chiffon und eine untere aus Baumwolle, Anfangs wollte ich ihm ja so einen unglaublich eleganten Namen wie "Seerose" geben. Aber ich arbeitete länger und länger daran und er wurde immer voluminöser, bis ich fand, "Sumpfmonster" sei irgendwie passender.
Ach ja. Anfangs wollte ich auch mehr dazu schreiben, wie er genäht ist (Wie nähe ich einen halbelastischen Bund, wie nähe ich aus einem Rechteck einen Rock?) Aber darauf komme ich vielleicht besser zurück, wenn mir die Antworten klarer sind und die Geschichte dazu weniger unterhaltsam.

Alles fing damit an, dass ich diesen Stoff im Laden sah:


Die kühle Farbe. Der matte Glanz. Die Leichtigkeit. Er war erhaben! Aber Moment! Hörte man nicht immer wieder, dass mit Chiffon nicht zu spassen ist? Das gar wundersame Dinge passieren können, die die Näherin zur Verzweiflung treiben können? Ach wo! Wie in jedem guten Horrorfilm schlug die Protagonistin alle Warnungen in den Wind und tat, wie es ihr so passte.
Anfangs ging auch alles problemlos. Doch dann kam es immer wieder zu kleinen Komplikationen: Der Faden riss, die Maschine machte aus unerklärlichen Gründen laute Geräusche, die Fadenspannung musste ständig neu eingestellt werden, der Rückwärtsgang machte Probleme. Langsam wurde mir unheimlich, doch ich machte weiter. Nähte immer langsamer und vorsichtiger. Bis eines Abends die Spulenkapsel auseinanderfiel. Nun war das Rätsel gelöst: Das Problem war nicht der dünne Stoff, sondern eine ausgeleierte Schraube. Ich ging also in den Laden, von dem die Nähmaschine stammte. Für 30 Franken könnte er mir eine neue Kapsel bestellen, sagte der Verkäufer, aber das würde so etwa eine Woche dauern. Eine Woche nicht nähen? Ich zögerte und ging in einen grossen Stoffladen, der ebenfalls Nähmaschinen verkaufte. Und hier hiess es dann tatsächlich, dass man mir für wenig Geld die Spulenkapsel reparieren könnte. Da Ostern bevorstand, ginge das… etwa eine Woche! Und hier zeigte sich, dass das Sumpfmonster mich schon viel zu sehr im Griff hatte, denn das war mir nun wirklich zu lange, und so kaufte ich an Ort und Stelle eine neue Kapsel die, weil von einem renommierteren Hersteller, nochmals teurer war. War das ein Fehler? Ich weiss es nicht. Und das war die Geschichte, wie Nähen manchmal zu geistiger Umnachtung führen kann.






Ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Nach wie vor finde ich den Stoff einfach wunderschön und ich denke, er kommt so gerüscht auch gut zur Geltung. Technisch gesehen gibt es aber einiges zu bemängeln: Eine Naht sitzt schräg vorne statt seitlich und sticht mir deshalb immer ins Auge (Merke: Einen Rock besser nicht aus 3 Stoffbahnen zusammensetzen), die kleinen Rüschen sind etwas unordentlich und die zusammengerafften oberen Enden der Röcke zeichnen sich unter dem Bund ab. Das kann man zum Glück mit einem breiten Gurt kaschieren. Auch finde ich es sehr schwierig, die Unterröcke (je nach Versuch sind es tatsächlich mehrere!) so zu wählen, dass der Rock glockenförmig fällt, aber nicht zu monströs aussieht. Das hat wohl damit zu tun, dass ich noch nie einen Rock in dieser Form genäht hatte und ehrlich gesagt nicht genau wusste, wie viel Stoff ich verwenden sollte. Meine bisherigen Röcke und Kleider hatten entweder A-Linie oder waren Tellerröcke, dieser hier sollte aber glockenförmig werden. Dazu rafft man ein mehr oder weniger langes Stoffstück am oberen Ende zusammen. Der Rocksaum beträgt über 3 Meter. Für diesen Stoff wäre etwas Leichteres, Schlichteres aber eventuell schöner gewesen. Ich nähte immer weiter, bis ich zu lange dran war, um noch etwas zu ändern. Zusammengefasst: Es war ein sehr hoher Aufwand für ein mittelmässiges Ergebnis. Aber natürlich habe ich enorm dazu gelernt und möchte bald wieder einen ähnlichen Rock machen.



Alles Liebe Eta Carina


What took me so long? This skirt! A more or less bell shaped skirt with two layers: One made of chiffon, the other made of cotton. In the beginning, I wanted to give it such a terribly elegant name as "water lily". But I worked longer and longer on it and it became more and more voluminous. Until I found that "swamp monster" was quite adequate. Initially I also wanted to write more about how I did it (how to attach a semi elastic waistband, how to sew a rectangle skirt…) But I think I'll come back to these questions once I really know the answers. And anyway, there are other funny things to say about this skirt.

It all began when I saw this chiffon fabric in the shop. The cool colour. The subtle shine. How lightly it felt. But wait! Hadn't I heard that you shouldn't simply mess around with chiffon? That the strangest things could happen when you tried to sew it that could even drive you mad? Oh well, as in every good horror story the character just ignores all warnings and does as she pleases.
And in the beginning everything went well, actually. But soon little complications occured: Threads would tear, the sewing machine made strange noises, the thread tension had to be adjusted very often, the reverse gear didn't work properly. I started to feel slightly distressed but continued, ever so slowly. Until one evening the bobbin case fell apart. So this was the reason for the problems: Not the fabric but a worn out screw. So I went to my favorite fabric store but they couldn't help me. So I went to the shop where I bought the sewing machine. The shop assistant told me he could order a new bobbin case for about 30 Swiss Francs, but it would take a week. One week without sewing? I hesitated and went to another store. As it happens, they told me they could fix it at the workshop for little money. But as Eastern was at our doors it would take about… a week. And here it became obvious that the swamp monster had already gained too much power above me, because I decided to buy a new bobbin case right at the spot for even more money than in the first shop. Was this a fault? I don't know. And this, my dear readers, was the story how sewing can lead to mental derangement.

In conclusion I have to admit that I am not all satisfied with the result. I still find the fabric adorable and I think the ruffles make it look even more beautiful. But technically it has some flaws: There is a seam visible at the front because I used 3 pieces of fabric for the chiffon layer and the upper ends of the skirt layers show through the waistband. Fortunately I can hide this with a broad belt. But I also find it quite difficult to maintain a bell shape without the skirt looking too monstrous. That's probably because I had never before sewn a rectangle skirt before and didn't really know how much fabric I would need. My former skirts and dresses where either A-line or circle shaped. So I just took extra much, I guess. Now the hem measures more than 3 metres. I now think that a simpler, lighter skirt would have been better for this fabric. I just sewed on until it was already too late. So I guess it was just too much work for an only okay result. But I surely learned a lot and want to try a similar skirt soon.

Love
Eta Carina

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