Lexikon


English below!

In diesem Blog werden einige Wörter verwendet, die vielleicht nicht gerade selbsterklärend sind. Deshalb habe ich mich endlich einmal hingesetzt, um die wichtigsten Begriffe in alphabetischer Reihenfolge zu erläutern. Die Definitionen sind sehr subjektiv, da ich meiner verehrten Leserschaft zutraue, eine allgemeine Definition auf entsprechenden Internetseiten zu finden, wo sie ja sowieso gerade am Surfen sind. Hingegen habe ich mich bemüht, eigene Beispiele und weiterführende Internetseiten einzubinden. Weitere Einträge folgen bestimmt.

Cosplay
Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie eure Lieblings-Comicfigur in der Realität aussehen würde? Solche oder ähnliche Fragen mögen vielleicht am Anfang von Cosplay (Abkürzung des englischen „costume play“) gestanden haben. Es geht darum, eine Figur aus der Populärkultur möglichst lebendig darzustellen. Die Figuren kommen aus einem weiten Feld: Comics, Büchern, Videospielen, Serien oder Filme. Ursprünglich kam diese Idee aus Japan, entsprechend fanden die Cosplayer ihre Vorbilder vorwiegend in Animes und Mangas. Mittlerweile ist das Ganze aber auch im Westen sehr beliebt. Anzutreffen sind Cosplayerinnen häufig an Fantasy-Veranstaltungen wie dem Beaumonde, der JapAniManga Night oder der Fantasybasel. Dort gibt es auch Wettbewerbe, wo es nicht reicht, das beste Kostüm zu haben, sondern der Charakter auch überzeugend auf der Bühne gespielt werden soll. Einige Kostüme sind wahre Meisterwerke. Nicht nur Nähen können muss man, auch frisieren und schminken will gelernt sein! Nicht zu vergessen, dass Waffen oder Rüstungen speziell aus Thermoplast hergestellt werden.
Ich habe noch nicht so viel Cosplay-Erfahrung. Man konnte mich aber schon als Princess Bubblegum, Susanne Sto Helit und Dolores antreffen, meistens an der Fantasy Basel.
Wer mehr erfahren möchte: Das Schweizer Radio und Fernsehen scheint Cosplay zu mögen und hat sowohl vom Beaumonde wie auch von der Fantasy Basel Berichte zusammengestellt:





D.I.Y.
Abkürzung für das Englische. „do it yourself“, also „mach’s selber“. In meinem Verständnis ist es ein Überbegriff für ein unglaublich weites Feld von Selbstgemachtem, von verzierten Kerzen über aufgehübschte Kleidungsstücke bis hin zu selbstgeschreinerten Möbeln. Meistens geht es also um Gebrauchsgegenstände. Das Spannende dabei: Die Menschen stellten schon seit Urzeiten Dinge selber her. Mit der Zeit wurde das aber immer weniger selbstverständlich. Seit der Industrialisierung ist es möglich, dass eine einzelne Person nur noch einen kleinen Schritt eines ganzen Arbeitsprozesses ausführt. Und viele Leute heutzutage verdienen ihre Brötchen alleine mit immateriellen Dingen, von Versicherungs-Offerten bis wissenschaftlichen Artikeln. Dadurch ist das Selbermachen erst bemerkenswert genug geworden, dass dafür ein eigener Begriff her musste. (Vielleicht vergleichbar mit dem Umstand, dass sich Menschen um so mehr nach einer unberührten Natur sehnen, je weniger sie im Alltag damit zu tun haben). Ja, die Leute scheinen ein Bedürfnis zu haben, mit den Händen zu denken, zu verstehen, wie etwas gemacht ist und erleben Stolz und Erfüllung ob den so entstandenen Dingen. Darüber hinaus ist es ökologisch („aus Alt mach Neu“) und spart Geld („das kann ich auch selbst wieder reparieren“). Trotzdem ist der Begriff im Hobby-Bereich verhaftet geblieben. Wer tatsächlich professionell selbst herstellt, ist z.B. Buchbinderin oder Schneider. Oder kennt ihr jemanden, der sich „hauptberuflichen Do-it yourselfer“ nennt?
Wer darüber hinaus noch mehr hören will, wieso Selbermachen gerade im digitalen Zeitalter aktuell ist, dem sei "Making is connecting" von David Gauntlett empfohlen. (Buchbesprechung hier)


Lolita
„Die Kleider mit den vielen Rüschen dran“. Lolita bezeichnet einen Kleidungsstil, der ursprünglich aus Japan stammt. Die Kleider sollen –je nach Vorliebe- mal elegant, mal süss oder manchmal auch bizarr wirken. Als Vorbild dienen oft Kleider aus der Rokoko-Ära, der Belle Epoque oder den 5oer-Jahren. So gesehen kann man Lolita als freie, ungezwungene Interpretation von vergangenen Modeströmungen verstehen. Auch Trachten („Qi-Lolita“) oder Subkulturen („Punk Lolita“) können mit der Lolita-Mode kombiniert werden.
Typisch sind weite, knielange Röcke, denen ein Petticoat die richtige Form gibt, reiche Verzierungen in Form von Spitze, Rüschen oder Prints und sorgfältig gewählte Accessoires. Manchmal wird mit Kontaktlinsen oder Perücken nachgeholfen, um den gewünschten Look zu erzielen. Trotzdem wird ein Lolita-Outfit nicht als Kostüm verstanden. Lolita ist Mode und als solche sowohl eine Möglichkeit, sich selbst auszudrücken, als auch und mit dem eigenen Erscheinungsbild zu experimentieren (und auch die Lolitamode kennt Trends).
Die Lolitamode kennt verschiedene Substile, wie das düstere „Gothic Lolita“, die eher erwachsen wirkenden „Classic Lolita“ oder „Aristocrat“ oder das niedliche „Sweet Lolita“. Einen guten Überblick findet man z.B. auf http://www.lolitaguidebook.com/ Eine weitere gute Seite für einen ersten Eindruck ist http://fyeahlolita.tumblr.com.
Da nur wenige Leute Lolita tragen und die nächste Lolita mitunter kilometerweit weg wohnt, spielt das Internet bei diesem Hobby eine wichtige Rolle. Hier findet eine Lolita Inspiration, kann sich mit Gleichgesinnten austauschen, sich über Treffen informieren oder online einkaufen.
Warum dieser Kleidungsstil den irreführenden Namen „Lolita“ hat, ist unklar. Tatsächlich haben Lolitas herzlich wenig mit Kindsfrauen zu tun. Wer sich näher für die Herkunft des Namens interessiert, dem empfehle ich Süssings Blogpost dazu.
Eigene Beispiele wären z.B. das Schildmaid-Kleid oder der Sailor-Rock

Kostüm
Sowohl in der Mittelalter- wie auch in der Lolitaszene wird Wert darauf gelegt, dass das, was die Trägerin da am Körper hat, bitteschön kein Kostüm ist, sondern eine Gewandung bzw. ein Outfit. Ich komme aus einer Stadt, in der das Kostümieren eine lange Tradition hat und jährlich mit z.T. enormem Aufwand betrieben wird. Viele Menschen scheuen weder Kosten noch Zeit, um an der Fasnacht eine tolle Verkleidung hinzubekommen. Deshalb verstand ich zu Beginn gar nicht, was am Wort Kostüm denn so negativ sein soll. Minderwertig muss ein Kostüm bestimmt nicht sein und billig schon gar nicht! Auch Cosplayer werden mir hier sicher beipflichten. Erst mit der Zeit dämmerte mir, dass man sich damit von billigen Kostümen abheben will, die man für wenig Geld z.B. in Fasnachtsläden kaufen kann. Ausserdem wird damit betont, dass es sich eben nicht um eine Verkleidung handelt, sondern die Leute früher tatsächlich so angezogen waren (Mittelalter) bzw. diese Kleidung theoretisch auch im Alltag tragbar wäre (Lolita).

Zeichnung abgeguckt aus: Tacuinum Sanitatis, fol. 104v
Mittelalter
Unter Mittelalter versteht man gemeinhin die Zeit zwischen der Antike und der Neuzeit, üblicherweise zwischen 500 und 1500 n. Chr. Das sind 1000 Jahre! Dementsprechend ist das Wort „Mittelalter“ also ein sehr komplexer Begriff, der eine Vielzahl von politischen Ereignissen, gesellschaftlichen Regeln, Neuerungen und natürlich auch Kleidungsstilen vereint. Was in aller Kürze geschah: Bildung kleiner und grösserer Königreiche, Ausdehnung des Christentums, Kreuzzüge, die Erfindung des Buchdrucks, Entwicklung in der Architektur von Romanik zu Gotik und und und...
Da bin ich grad froh, dass ich mich auf’s Nähen konzentriere! Nur schon dieses Thema ist sehr umfassend. Und falls ihr fragen wolltet: Ja, ich benutze eine Nähmaschine. Momentan bin ich in einem Kleid aus dem 14. Jahrhunders unterwegs, mit einem Überkleid und Unterkleid aus Leinen.
Guter Link zur Modegeschichte des Mittelalters: http://rosaliegilbert.com


Mittelaltermarkt
Ein Mittelaltermarkt ist ein Markt, an dem das Mittelalter inszeniert wird. Meistens gehören dazu Handwerker, die ihr Können vorführen, Verpflegungsmöglichkeiten, Gaukler, historische Darsteller, Musiker und natürlich Marktstände. Von hübschen Geschenken (Schmuck) bis zu nicht wirklich alltagstauglichen Objekten (Ritterrüstung) gibt es viel zu sehen.
Das Publikum ist sehr durchmischt. Da gibt es Familien, wo die Tochter vielleicht unbedingt Bogenschiessen lernen will. Es kommen "Szenis", die aufwändig ein Gewand selbst genäht haben und dies nun herzeigen wollen. Andere Leute mögen es eher phantastisch und sehen mehr aus, als ob sie gerade aus Herr der Ringe entflohen wären. Manche hoffen, etwas aus der Geschichte ihrer Stadt zu lernen. Es gibt Leute, die wegen der gemütlicher Atmosphäre kommen und einfach ein Bier trinken wollen.
Die Veranstaltungen sind also auf Unterhaltungen ausgelegt. Trotzdem können interessierte Besucher viel über das Mittelalter erfahren. Oft werden Märkte z.B. aufgrund von Jubiläen historischer Ereignissen aufgeführt und die Veranstalter bieten dann auch Führungen oder Hintergrundwissen. Das Handwerk, das gezeigt wird, ist meist auf hohen Niveau. Die Märkte werden gerne mit Klischees wie Ritter und Burgfräulein beworben. Solche Bilder haben aber nun Mal eine Anziehungskraft und können der Ausgangspunkt für eine vertiefte Beschäftigung sein.
Neugierig geworden? Im Sommer findet eigentlich immer irgendwo ein Markt statt. Zu finden auf www.mittelalter-kalender.ch. Mein "Heimmarkt" ist übrigens: www.mittelaltermarkt-luzern.ch



In this blog I us several words that might not be selfexplanatory. So I sat down to write explanations to the most important terms. In alphabetical order, like, you know, in a lexicon. My definitions are highly subjective as, since you are on the internet anyway right now, I trust you, my dear reader, to find more general definitions on different websites. But I tried to find my own examples and give you links for further reading. More entries will hopefully follow.

Cosplay
Have you ever wondered what your favourite comic character might look like in reality? This and similar questions might have been the origin of Cosplay (a portmanteau for "costume play"). Cosplay is about portraying a character (mostly) from popular culture as vividly as possible. The field of inspiration is very large: Your character might come from a comic series, book, video game, tv series, boardgame or a film. The idea originated in Japan, Cosplayers there mainly drew inspiration mainly from animes and mangas. But now it is popular all over the world. Conventions like the JapAniManga Night are likely places to spot a cosplayer. There they also host contests where it isn't enough to just have the best cosplay, you also have to portray your character convincingly on stage. Some costumes are truly pieces of art. And cosplaying demands skills in a variety of fields: Not only do you have to sew, knowing how to style a wig or do make up all come in handy! Not to mention the art of prop making.
I'm not a very seasoned cosplayer. But you might have seen me for example as Princess Bubblegum, Susanne Sto Helit or Dolores, most likely at the Fantasy Basel.

costume
Wether I visited a medieval fair or a Lolita meet-up, people always emphasized that although their clothes may not be exactly what you see every day, they are not costumes. Coming from a town with a long and lively carnival tradition. People love to make costumes, they are proud of them and pour a lot of energy, creativity and money into them. So initially I didn't get the negative connotation of the word "costume" at all. For me, a costume certainly doesn't mean something inferior or cheap. I'm sure every cosplayer will agree. I think it's mainly cheaply produced and poorly made costumes from costume stores that give the word "costume" such a bad reputation. But it goes beyond that. In refusing this term for a piece of clothing, the wearer emphasizes that this is "the real thing", e.g. an authentic medieval robe and not just an imitation thereof. It's not taking on a sort of role for a few hours, it's not "dressing up", it's just puting on different clothes. In doing so they give more meaning to their garment. And I think especially in Lolita it also expands our understanding of what fashion and "wearable" clothes might encompass.

D.I.Y.
Short term for „do it yourself“. In my understanding this is is an umbrella term for a broad field of handmade or selfmade things, from simple things like decorating candles to upcycled clothes to whole furnitures made by yourself. It's mostly about objects of utility. The interesting thing is that human beings have been making things for ages. But in time this became less and less common. Since the industrial revolution most people are only involved in a tiny step of producing an object, if at all. Many people earn their money entirely with immaterial things, from insurances to scientific books. And this development in turn made making stuff yourself remarkable enough to even invent a word for it. (Maybe it's like how people long for nature especially when they don't come in touch with nature in their everyday lives). People seem to feel a need to think with their hands, to understand how something is made and they feel a sense of pride and accomplishment about things they fabricate themselves. In addition to that it's ecological ("make new from old") and it saves money ("If I can fix it I don't have to buy a new one"). On the other hand the term "D.I.Y" also makes you think of a mere hobby. People making things for a living are called book binders or seamstresses, but do you know someone calling him or herself "professional do-it-yourselfer"?
If you want to read more about how making things became even more popular in the digital age, I recommend the book "Making is connecting" by David Gauntlett (here's my personal book review).

Lolita 
"That fashion with the many ruffles". Lolita is a fashion style originating in Japan. The aim is to achieve a look that's -depending on your preferred substyle- elegant, cute or sometimes even bizarre. The clothes are inspired by garments from the Rococo or Victorian era or the fifties. If you think about it like that you could see Lolita as a free interpretation of past fashion styles. Even traditional costumes ("Qi Lolita") or other subcultures ("Punk Lolita") can be combined with Lolita fashion.
A typical Lolita look contains wide, kneelenght skirts shaped by a petticoat, rich adornments in the fom of lace, ruffles or prints and carefully chosen accessories. Sometimes contact lenses or wigs help to complet a look. But a Lolita outfit isn't a costume. It's fashion and as such it's a way of expressing oneself as well as experimenting with ones look. (And Lolita fashion too is subjected to trends).
As mentioned there are different substyles, like the somber "Gothic Lolita", the more mature looking "Classic Lolita" or "Aristocrat" or the cute "Sweet Lolita". You can find an overview on http://www.lolitaguidebook.com/. Another good place for a first impression is http://fyeahlolita.tumblr.com.
As it's not a very common fashion style and the next Lolita might live kilometres away from the next, the internet plays a vital role in this hobby. Here, a Lolita may find inspiration for new looks, share her thoughts with the community, find meet-ups or shop online. 
It's not exactly clear how this style came to its misleading name. I hope I made it clear that "Fashion Lolitas" aren't Lolitas in the sense of Nabokovs novel by the same name. Süssing tried to make light of the name's origins in her blog.
Some of my own examples are the Schildmaid dress or my sailor skirt.

Medieval fair
A medieval fair is a market with a medieval theme. Most often there are craftsmen demonstrating their trades, food stalls, performers (like musicians or jugglers), reenactors and of course different market booths. There is a lot to see there, from nice gifts (e.g. jewelry) to not so handy stuff like a complete plate armour.
The audience is mixed. There are families coming because the youngest daughter really wants to learn how to shot with bow and arrow. There are people coming dressed in (more or less) authentic  medieval clothes. Others might look more like they just escaped from "Lord of the Rings". Some people hope to learn something about the history of their city. Some people just enjoy the relaxed athmosphere and a pint of beer.
The main goal is to entertain. But there's still a lot that can be learned here. For example, many markets are held because of an anniversary of an important historical event. In that case there might be a guided tour or a lecture on the topic. Or you could join a workshop for an ancient craft, like boardweaving. Of course, the organizers will often advertise for the event with pictures of knights or fair maidens. But like it or not, those things are still fascinating and might be the starting point to learn more.
If you're curious, look out for online calendars if there is such an event near you (in Switzerland, it's www.mittelalter-kalender.ch, and in summer there's practically always a fair somewhere). My "local" market is www.mittelaltermarkt-luzern.ch.

Middle Ages 
Most commonly, what is called the Middle Ages is the period between the Classical Antiquity and the Modern Era, from around 500 to 1500 AD. That's 1000 years! So, naturally, the term "Middle Ages" is very complex and encompasses a multitude of political events, social norms, inventions and of course, fashion styles. A brief overview: First a lot of smaller and bigger kingdoms formed, the Christian religion spread across Europe, then there were the crusades, the invention of book printing, architecture developed from Romanesque to Gothic and and and...
But alas, I mainly focus on sewing, so I'm far from an expert on this topic. I find this too a very diverse field. And if you wanted to ask: Yes, I'm using a sewing machine for my medieval dresses. At the moment I'm most often wearing a 14th century linen dress and undergown.
A good link for medieval fashion and women in the middle ages: http://rosaliegilbert.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen