Montag, 28. Dezember 2015

Belle Epoque: Recherche

Ihr Lieben

Ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten. Nun, ich schon, aber ehrlich gesagt bin ich mit meinen Gedanken immer noch ein bisschen bei meinem Geburtstag. Damals nämlich bekam ich einen Ausflug nach Kandersteg an die Belle Epoque-Tage geschenkt. Ich freute mich natürlich riesig, war zugleich aber auch sehr aufgeregt: was sollte ich nur anziehen? Denn natürlich war klar, dass ich mir bis dann unbedingt ein Kleid aus dieser Zeit nähen wollte. Also machte ich mich an's Recherchieren, was hauptsächlich bedeutet: ich verbrachte Stunden auf Pinterest. Was die Sache nicht unbedingt einfacher machte. Aber der Reihe nach.

Gustav Klimt: Sonja Knips, 1898
Die "Belle Epoque" ist die Zeit um die Jahrhundertwende, also Ende 19., Anfangs zwanzigstes Jahrhundert. Sie gilt als relativ fortschrittliche Zeit, der Wohlstand wuchs, der Tourismus nahm Fahrt auf.
Für die Mode zu der Zeit typisch sind bodenlange, A-linienförmige Röcke und ein dazu passendes Oberteil mit betonter Taille. Und das ist sehr, sehr vereinfacht ausgedrückt. Denn wer, nun ja, gutbetucht war, hatte die Qual der Wahl: Kleider gab es von schlicht bis pompös, aus Baumwolle, Leinen, Wolle, Chiffon, Spitze, Taft oder Seide. Es gab Kleider zum Spazieren, zum Reisen, für körperliche Betätigung, um Gäste zu empfangen, für den Nachmittagstee, für's Abendessen und natürlich Ballkleider. Am Tag waren die Kleider äusserst zugeknöpft, am Abend durfte aber durchaus Haut gezeigt werden. Nicht zu vergessen, dass sich die Mode in den etwa 40 Jahren natürlich ständig wandelte, von den spätviktorianischen Tournüren über monströse Keulenärmel hin zu fliessenden Jugendstilgewändern. Im Winter brauchte man natürlich andere Kleidung als im Sommer. Und erwähnte ich schon, dass die Dame von Welt immer auch einen passenden Hut und Handschuhe anhat?

Tournüre (1886), Keulenärmel (1894), Schleppe (1902). Die Mode war extrem abwechslungsreich...

Ich war ein wenig überfordert. Was wollte ich eigentlich? Was brauchte ich? Wir würden fein Essen gehen, da wollte ich doch gerne in feine Stöffchen gekleidet sein und nicht aussehen wie eine Gouvernante. Andererseits ist der Anlass im Januar und Kandersteg liegt auf über 1100 Metern über dem Meer. Ich überlegte hin und her, und jedes Mal, wenn ich wieder auf Pinterest ging, wurde es nur schlimmer, weil ich noch mehr Möglichkeiten sah, aber immer noch keine Ahnung hatte, wie ich überhaupt beginnen sollte. Schliesslich ging ich meine Bildersammlung nochmals durch und blieb an zwei Bildern hängen, die ich mir schon von Beginn an sehr gefallen hatten.
I.W. Taber: Ka'iulani in San Francisco, ca. 1897
unbekannt, Garden party at the viceregal lodge, 1897.jpg
Das eine ist eine Fotografie der Prinzessin Ka'iulani von Hawaii. Das andere zeigt eine Gartenparty. Und auch wenn die Geschichten zu diesen Bildern bestimmt mehr Platz verdient hätten, ging es mir halt wieder einmal ganz schnöde nur um die Klamotten. Beide Bilder waren aus dem Jahr 1897 und zeigten ähnliche Kleider. Die Ärmel sind enganliegend und lang, mit relativ kleinen Puffärmeln, die weit aussen an den Schultern angesetzt wurden. Der Oberkörper wirkt eher lang. Ich hatte also jetzt eine Jahreszahl und einen Schnitt, der zierlich wirkte ohne dass ich mir dabei gleich einen Schnupfen holen würde. Von da an war die Suche viel einfacher und ich fand mehrere Bilder, an denen ich mich orientieren konnte:

Spazierkleid um 1900, Palazzo Pitti, Florenz
Dinner Dress von Jean-Philippe Worth
Quelle: Pinterest, ursprünglich Costume Museum of Canada
Delineator, Mai 1897
Delineator, Mai 1897
Fehlte noch ein Schnittmuster. Dafür hatte ich mir das Buch "59 Authentic Turn-of-the-Century Fashion Patterns" von Kristina Harris gekauft. Ich kann es aber leider nur bedingt empfehlen. Erstens ist der Name ein bisschen ein Etikettenschwindel, da das Buch gar nicht bis über die Jahrhundertwende, sondern nur bis 1896 geht. Die Schnittmuster muss man sich selbst vergrössern, was ich zwar vorher gewusst hatte, aber doch eine rechte Arbeit ist, zumal man alles von Inch in cm umrechnen muss. Auch wäre es schön gewesen, etwas mehr Hintergrundwissen zu erhalten. Das Buch beschränkt sich auf die Anleitungen selbst. Die Schnittmuster sind nicht so abwechslungsreich, Ballkleider zum Beispiel fehlen ganz. Andererseits bekommt man durch das Blättern im Buch einen Sinn dafür, wie Kleider zu der Zeit typischerweise geschnitten waren. Und ich fand auch ein Schnittmuster, das ich brauchen kann, auch wenn ich es etwas abändern werde. So oder so war mir aber -auch nachdem ich meine Lieblings-Stoffläden durchstöbert hatte- klar, dass ich nicht ein einzelnes Kleid möglichst authentisch nachnähen wollte, sondern nach bestem Wissen selbst etwas zusammenstellen würde. Aber ob das klappt, ist definitiv eine Geschichte für einen späteren Blogbeitrag.

Gute Nacht wünscht
Eta Carina




Hello my dears

I hope you had a nice Christmas. Well, I had. But honestly my thoughts are still somehow at my birthday some months ago. Because as a present we would visit the Belle Epoque days at Kandersteg. Of course I was very delighted, but at the same time I got nervous! What should I wear? Because of course I wanted to go dressed accordingly, and in a handmade dress. So I started to do some research, which mainly meant that I spent hours on Pinterest. Which didn't necessarily make things easier. But let's start at the beginning.

The "Belle Epoque" is the era around the end of the 19th and the beginning of the 20th century. In the english media I searched it is better known as the late Victorian and Edwardian era. It was a quite progressive time, with growing prosperity and tourism.
The fashion of this era typically shows long, a-lined skirts combined with matching blouses and a accentuated waist. But this is only a very, very simplified description. Because if you where wealthy, you had a ton of options: Clothing could be simple or magnificent, made out of cotton, linen, wool, chiffon, lace, taffeta or silk. There where street costumes, travelling clothes, sport clothes, reception gowns, tea gowns, dinner dresses and of course ball gowns. During the day clothes where rather modest but ball dresses could be quite revealing. And don't forget that fashion of course changes over about 40 years, from the Victorian bustles to the enourmous mutton leg sleeves to the lightly flowing art nouveau dresses. Winter required different clothing than summer. And did I mention that a fine lady mustn't miss her matching hat and gloves?

Honestly, that was all a little bit too much for me. What did I want? What did I need? As we would go to a dinner I fancied myself in beautiful light fabrics and I didn't want to look like a dowager for that occasion. But on the other hand it would be January and Kandersteg lies 1100 above sea level. I thought long and hard and every time I visited Pinterest it only got worse because I only saw yet more possibilities without even knowing where to start. At last I went through my image collection and stuck with two images I was very fond of from the very beginning.

The first is a photography of the Hawaiian princess Ka'iulani. The other is a picture of a garden party. I'm sorry that I can't dwelve further into the story behind these pictures. Both images are from the year 1897 and the clothes are similar: The sleeves are long and tight with relatively small puff sleeves, placed on the outer tip of the shoulders. The upper body seems slightly elongated. So now I had a year and a cut that was at the same time becoming and not too off for cold weather. From then on my search got a lot easier and I found other images I could refer to.

Now I needed a pattern. I bought the book "59 Authentic Turn-of-the-Century Fashion Patterns" by Kristina Harris. Which I can only partly recommend. Firstly, the name is misleading, because the book covers only the years 1890 - 1896. The patterns must be enlarged by hand. I knew that before, but it was still a lot of work, especially as I had to convert inches to centimetres. It would have also been nice if the book provided more background information instead of just instructions. The patterns aren't very diverse, ball gowns for example are completely missing. But at least I got a good idea for typical patterns of that age by scrolling through the book. And I found a pattern I can work with, even if I'll change it a little bit. Anyway i realized I didn't want to strictly rework a certain dress but try something of my own as good as I can. But how that turns out is a story for another post.

Good night!
Eta Carina

Good overview of the fashion: http://www.vintagevictorian.com/library.html


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