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Mittwoch, 27. März 2019

China und die Seide - drei Stationen

Hallo!

So, ein neuer Post von unserer Reise... Und wenn ihr findet, der Titel "China und die Seide" klinge vielleicht etwas gar ambitioniert, gebe ich euch recht. Natürlich bin ich nicht so irre, die volle Bedeutung der Seide in Chinas Geschichte in einem einzelnen Beitrag abhandeln zu wollen. Stattdessen erzähle ich heute schlicht von drei spannenden Stationen, an denen wir dem Thema Seide begegnet sind. Und ich benutze den Post als Vorwand, um noch mehr Reisefotos zu streuen :-)

Quelle: OpenStreetMap


Die drei Stationen sind Ürümqi in Xinjiang, Chendgu in Sichuan und Suzhou nahe Shanghai.


Station 1: Ürümqi

Funde entlang der Seidenstrasse

 

Ürümqi war unser Startpunkt in China. Wir hatten in Kasachstan den Zug genommen und 30 Stunden später waren wir in China, genauer gesagt in der Hauptstadt der autonomen Region Xinjiang, Ürümqi. Ürümqi ist eine Millionenstadt, jedoch umgeben von Wüste. Hier fanden Archäologen nicht nur Mumien, sondern auch alte Textilien, die in der trockenen Umgebung aussergewöhnlich gut erhalten wurden (die Fundstücke, die ich behandle, stammen aus ganz Xinjiang, nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung Ürümqis). Diese werden im Xinjiang Regionalmuseum ausgestellt.

Moschee in Ürümqi
Lichtshow auf dem roten Berg in Ürümqi
Die flammenden Berge, ca. 200 km ausserhalb Ürümqis
Wie gesagt liegt Ürümqi in der Nähe der Taklamakan-Wüste. Diese musste früher durchqueren, wer von China in den Westen reiste. Und das taten eine Menge Leute, um verschiedene Güter zu transportieren. Dieses Netz aus Handelsrouten, das sich über die Jahrhunderte zwischen Ost und West bildete, kennt man heute natürlich als Seidenstrasse. Und Ürümqi war eine wichtige Station für Reisende auf der Seidenstrasse. Seide war dabei nur eines von vielen Gütern, die gehandelt wurden. Und zur Klarstellung: Die Funde, die ich fotografiert habe, waren nicht zwingend Handelswaren, sie wurden schlicht entlang häufig begangener Routen entdeckt.

Modell einer antiken Handelsstadt

Die nächsten zwei Fotos zeigen Seidenfunde aus Niya (im Süden Xinjiangs); kleine Kammtaschen und eine Frauenhose, beide mit feinen Webmustern. Ich hätte gerne mehr dazu geschrieben, vor allem hätte ich gerne mehr über die Hosen gewusst. Warum wissen wir, dass es Frauenhosen waren? War dies ein übliches Kleidungsstück? Ich finde aber leider kaum Informationen. Der aus heutiger Sicht spezielle Schnitt, das schöne Muster und die Tatsache, dass diese Gegenstände an die 2000 Jahre alt sind, waren für mich aber Grund genug, sie hier zu zeigen.

Kämme mit Taschen aus Brokat, Han und Jin-Dynastien
Frauenhose aus Brokat, Han und Jin-Dynastien

Die Mumie auf dem unteren Foto ist bekannt als der "Yingpan Man". Er ist nicht so alt wie andere Mumien im Museum ("nur" ca. 1900-jährig) und zu sehen ist nur seine Kleidung (der weisse Kopf ist natürlich eine Maske), deshalb wirkt er auf die meisten Besucher wohl weniger spektakulär als die anderen Mumien. Ich fand aber unglaublich, dass dieser Wollmantel fast 2000jährig sein soll (ja, Wolle, nicht Seide, ich weiss...), so deutlich sind die Farben, so gut erhalten das Gewebe. Man beachte ausserdem, dass kleine Engel auf dem Kaftan abgebildet sind, der Stoff ist also europäisch inspiriert! (Der Mann selbst soll am ehesten aus Zentralasien stammen, also kein Chinese sein). Bemerkenswert ist der Mann aus Yingpan überdies, weil er fast zwei Meter gross gewesen sein soll.


Eine weitere Halle des Museums ist den verschiedenen Ethnien der Region gewidmet, vor allem deren Trachten und traditionellem Handwerk. Besonders spannend fand ich hier die Seiden, welche die Uiguren (die grösste Bevölkerungsgruppe in Xinjiang) weben. Speziell ist nämlich, dass das Muster jeweils entsteht, BEVOR die vielen Fäden zusammengewoben werden. Die Kettfäden werden an verschiedenen Stellen abgebunden, so dass beim Färben keine Farbe dran kommt. Dieser Vorgang wird für jede Farbe neu wiederholt. Erst danach wird gewoben, um das ganze Bild zusammenzuhalten. Man stelle sich die ganze Planung vor! Die Stoffe mit den daraus entstehenden, leicht verschwommenen Designs nennt man Aidelaisi-Seide (die gleiche Technik ist in anderen Ländern als Ikat bekannt). Die Muster sind in Xinjiang immer noch weit verbreitet, aber leider vor allem als billige Prints anstatt echten, gewobenen Tüchern. Ich hätte nur zu gerne gesehen, wie so ein Stoff entsteht. Die Frau, die hier im Museum am Webstuhl sitzt, ist jedoch leider nicht echt.


Aidelaisi-Seide zu Zeiten der Qing-Dynastie (1644-1911)
Aidelaisi-Seide zu Zeiten der Qing-Dynastie (1644-1911)

Station 2: Chengdu

Versteh mal einer diese Webrahmen

 

 

Big Panda is watching you
Baihuatan-Park in Chengdu
Chengdu liegt im Süden Chinas, in der Provinz Sichuan. Bekannt vor allem für scharfes Essen und Pandabären, war diese Region auch ein wichtiges Zentrum der Seidenproduktion. Davon zeugt das "Chengdu Shu Brocade and Embroidery Museum", das ich besuchte. Das Museum zeigt vor allem Brokate, also schwere, gewobene Seiden. Eine ganze Halle ist nur schon den Webrahmen gewidmet! Daneben sind aber auch viele Stickereien zu sehen.

Die ältesten Brokate gehen auf die westliche Zhou-Dynastie zurück und sind deshalb bis zu ca. 2700 Jahre alt! (In chinesischen Museen wird als Alter der Ausstellungsstücke meistens nur angegeben, aus welcher Dynastie es stammt. Was leider sehr ungenau ist, da manche Dynastien ja mehrere hundert Jahre bestanden.) Die Muster waren damals natürlich noch schlicht. Interessanterweise wurde das Muster damals mit den Kettfäden gebildet (also den fest im Rahmen eingespannten Fäden) statt mit den Schussfäden (die Fäden die man hin und her webt), ähnlich wie bei der Adelaisi-Seide.

Brokat aus der "Warring States"-Periode (475-221 v.Chr.)
Mit der Zeit wurden die Muster immer komplexer, Tiere waren beliebte Motive.

Brokat zu Zeiten der Qin- und Han-Dynastien
Hey, ein Kamel! Brokat zu Zeiten der Sui- und Tang-Dynastien
Schliesslich wurden die Webstühle immer ausgeklügelter und damit auch die Muster. Die Kettfäden sind jetzt jeweils alle von der gleichen Farbe (im Foto unten grün, rot bzw. rosa im hintersten Webstuhl). Die Musterung entsteht dadurch, dass einzelne Kettfäden durch vertikale Fäden angehoben werden und die verschiedenfarbigen Schussfäden dann je nach Einstellung darüber oder darunter kommen. Wie genau das aber funktioniert... es erscheint mir immer noch wie Hexerei ;-)

Verschiedene Webstühle
Rote Seidenkettfäden
Das Muster (hier eine Opernmaske) wird sichtbar
Wie gesagt beheimatet das Museum aber auch schöne Stickereien. Interessant ist, dass in der Ming-Dynastie (13. - 17. Jh) sowohl Beamte wie auch Militärs gestickte Abzeichen trugen, die ihren Rang verrieten. Diese Abzeichen nannte man Mandarintücher. Beamte erster Klasse erhielten Kranich-Abzeichen. Hohe Militärs waren Löwen oder Tiger, im neunten Rang reichte es immerhin noch zum Rhinozeros.

2. Militärrang: Löwe. Die Fledermäuse stehen für Glück
6. Beamtenrang: Reiher
Dieses Museum war nicht nur liebevoll eingerichtet, sondern auch das Museum mit den meisten Hintergrundinformationen. Sogar kleine Begleittexte in Englisch zum Mitnehmen gab es. Das hätte ich in den anderen beiden Museen auch gerne gehabt.


Station 3: Suzhou

Seidenraupen züchten und kochen

 

Suzhou liegt etwa 100 km ausserhalb von Shanghai. Hauptanziehungspunkt ist die hübsche Altstadt mit ihren vielen Kanälen oder die Gärten, die über die ganze Stadt verteilt sind. Aber auch Suzhou hat eine lange Geschichte als Produktionsort für Seide und ist Heimat des "Suzhou Silk Museums".

Kanal in der Altstadt Suzhous
Suzhou, Lingering Garden
Gasse in Suzhou

Die Museen in Chengdu und Suzhou überschneiden sich inhaltlich. So gibt es in beiden Museen beeindruckende Webrahmen und Gewänder. An beiden Orten erfährt man auch, wie Seidenraupen gezüchtet werden, um Seide zu gewinnen. In Suzhou wird das aber besonders anschaulich gemacht, deshalb konzentriere ich mich hier auf diesen Teil des Museums.

Maulbeerbäume im Innenhof
Die Raupen wachsen...
... verpuppen sich...
... und werden abgekocht. Aus den übrig bleibenden Kokons werden dann die Seidenfäden gewonnen.

Seide wird aus den Kokons der Seidenraupen gewonnen. Diese ernähren sich von den Blättern der Maulbeerbäume. Der Kokon, in den sich die Raupen einspinnen, sind ziemlich hart. Sie werden eingesammelt und gekocht, was die Seide wieder weich macht aber auch die Raupen im Inneren abtötet. Die Fäden mehrerer Kokons werden danach zu einem Seidenfaden aufgewickelt.

Das Museum zeigte auch einige sogenannte "Wolkenkragen". Das sind reich bestickte Seidenkragen, die aus einzelnen Ornamenten bestehen und über Schulter, Brust und Rücken fallen. Sie wurden dann über der restlichen Kleidung getragen. Die Kragen werden um das 12./13. Jahrhundert das erste Mal erwähnt, sollen aber viel älter sein. Viele Kragen, die heute noch erhalten sind, stammen aus der Qing-Dynastie, also aus dem 17. bis frühen 20. Jahrhundert. Ich finde diese Kragen wunderschön, fand es aber auch hier schwierig, Hintergrundinformationen zu finden. Fündig wurde ich beim Museum Heidelberg und The Art Bulletin, falls ihr ebenfalls mehr wissen wollt.

Wolkenkragen aus der Qing-Dynastie (1644-1911)

Blütenförmiger Kragen, ebenfalls aus der Qing-Dynastie

In einem weiteren Raum standen mehrere Industriemaschinen. Wir konnten nur vermuten, dass sie einst für die mechanische Produktion von Seide verwendet wurden, alle Texte waren aber auf chinesisch. So blieb uns die genaue Funktionsweise verborgen, aber auch so waren die Maschinen schön anzuschauen.




Das wär's also gewesen von China. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen was von meiner Faszination für diese Orte und die Seide selbst teilen. Und falls jemand von euch mehr weiss über eines der Dinge, über die ich hier geschrieben habe, würde ich nur zu gerne davon hören.

Liebe Grüsse
Eta Carina



Hello!

So it's another travel-post... and if you think the title "China and silk" sounds maybe a little bit overambitious, I think you're absolutely right. I'm sure not as mad as to think I could explain the relations between silk and China in one single post. Instead, I just want to tell you about three interesting stations of our journey related to silk. And I use this post as a pretence to show some more travel photos :-)
The three stations are Urumqi in Xinjiang, Chengdu in Sichuan and Suzhou near Shanghai.


Station 1: Urumqi

Finds along the Silk Road

 

Urumqi was our starting point in China. We had boarded a train in Kazakhstan and some 30 hours later we where in China, or more precisely in the Capital of Uyghur Autonomous Region Xinjiang, Urumqi. Urumqi is a city of several million inhabitants, but surrounded by desserts. Here archeologists found not only mummies, but also ancient textiles that where extraordinarily well preserved in this dry environment (the finds I write about come from all over Xinjiang, not only from Urumqis direct surroundings). Those findings are on display in the "Xinjiang Regional Museum".

Urumqi lies near Taklamakan desert. People travelling westwards from China often had to cross it. And a lot of people wanted to do exactly that, in order to trade goods along a net of trade routes well known as the Silk Road. This made Urumqi an important hub along the Silk Road. Silk was of course only one of many things that where transported. And I thought I might need to clarify that the things I show here wheren't necessarily trade goods, they where just found along the Silk Road.

The next two pictures show silk findings from Niya (in southern Xinjiang); small bags for combs and women's trousers, both with finely woven patterns. I would have liked to write more about those things, especially about the trousers. How do we know they where for women? Where they a typical garment for that time? But sadly I hardly find any information. But because of the unusual cut (from today's perspective), the beautiful pattern and the fact that those objects are about 2000 years old I wanted to show them anyway.

The mummy on the next photo is known as the "Yingpan Man". Because he's not as old as other mummies in the museum ("only" 1900 years old) and because we can only see his clothes (the face is only a mask) he might not seem that spectacular for most visitors. But I was again amazed that his wool coat is supposed to be almost 2000 years old (yes, wool not silk, I know...), because the colours where still so vivid and the tissue in such good condition. It also depicts some kind of angels, so the fabric or at least the inspiration for the pattern seems to come from Europe! (The man itself is believed to most likely be from Central Asia, so he's not Chinese.) Furthermore the Yingpan Man was supposedly almost two metres tall.

Another part of the museum was dedicated to the different ethnic groups of the region, mainly their traditional clothes and crafts. Here, I especially loved the silks traditionally woven by the Uygurs (the Uygurs make up the biggest part of the population in Xinjiang). What is special is that the pattern is dyed onto the silk threads BEFORE they are even woven together. The warps are tied in different places so they will stay white when dyed. This process is repeated for every single colour. Only afterwards they weave the fabric, to fixate the whole image. Just think about all the planning! This results in beautiful, slightly blurry designs. This kind of silk is called Aidelaisi silk (the technique is better known as ikat in other parts of the world). The patterns are still widely spread throughout Xinjiang, but mainly as cheap prints instead of real woven cloths. I would have loved to see how such a piece of fabric is made. But sadly, the women sitting on the loom in the museum was just a dummy.


Station 2: Chengdu

Can you understand those looms?!

 

Chengdu is situated in Southern China, in Sichuan province. Most well known for spicy food and panda bears, this region was also an important centre of silk production. And to learn more about it I visited the "Chengdu Shu Brocade and Embroidery Museum". As the name suggests, the museum mainly displays brocades. Those are heavy, woven silk fabrics. An entire hall was dedicated to looms alone! But it also houses some highly impressive embroideries.

The oldest brocades mentioned date back to the Western Zhou Dynasty, which means they are up to 2700 years old (you see, chinese museums just tell you what dynastie(s) an object is from. Unfortunately that doesnt give you a very precise date as those dynasties tended to last for centuries.) The patterns from those brocades where still rather simple. Interestingly, back then it was the warps (the threads fixated onto the loom) instead of the wefts (the threads you weave back and forth) that formed the patterns, similar to the Adelaisi silk. In time the patterns became more and more complex. Animals where popular motifs.

Gradually the looms also got more sophisticated, which in turn enabled even more complex patterns. Now the warps are usually all of the same colour (in my photo of the loom hall it's green, red and, on the loom on the rear, pink). By raising individual warps via separate vertically attached threads you can place the differently coloured wefts above or below the warps, this is how the patterns are formed. But how exactly it works... it still seems like sorcery to me :-)

As mentioned the museum is also home to beautiful embroideries. One interesting thing where the so called mandarin squares. During the Ming Dynastie (13th to 17th century) officials and military personnel wore embroidered cloths on their chests that showed their ranks. First class officials got cranes. High military men where lions or tigers whereas ninth class men where mere rhinoceros.

Not only was the exhibition itself well designed, this was also the museum with the most detailed background informations. They even had leaflets in English to take home, something I missed from the other two museums.


Station 3: Suzhou

How to raise and cook silkworms

 

Suzhou is about 100 km away from Shanghai. Its main attractions are the beautiful old town with its many canals and its gardens. But Suzhou too has a long history of produceing silk and is home of the "Suzhou Silk Museums".

The museums in Chengdu and Suzhou overlap thematically. There are impressive looms and robes on display in both museums. And in both museums you can learn about the process of cultivating silkworms to make silk. But I found Suzhou explained it especially vividly, so this is the part of the museum I'll focus on.

Silk is gained from the cocoons of silkworms. They feed on the leafs of the mulberry tree. After the worms have pupated, they form a hard cocoon. They are collected and then cooked. This makes the silk soft again but also kills the worms. The threads of several cocoons at once are into one single silk thread.

The museum also showed several so called "cloud collars". They are richly decorated silk collars shaped in various ornaments that fall over shoulder, chest and back. They are worn over the rest of an outfit. The first time a cloud collar was mentioned is around the 12th or 13th century, but they have supposedly been known for a much longer time. A lot of the collars existing today date back from the Qing Dynasty (17th to early 20th century). I found them very beautiful but again it was hard to attain any information. The little bit I do know is from texts of the Museum Heidelberg and The Art Bulletin, if you want to learn more.

In another room there where several industrial machines. I think they where used for industrial silk production, but all information was in chinese only. So the exact function remains a secret, but at least the machines made for some nice photos.

So, that's it from China. I hope I could get some of my fascination for those places and the silk itself across. And if you happen to know a bit more on the things I wrote about I would love to hear it.

Greetings
Eta Carina

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Cyanotypie

Ihr Lieben

Ich dachte, es wäre wohl Zeit, einige Sachen zu zeigen, die ich so im Atelier ausprobiere.
Nun, mein erstes Vorhaben war, aus Stoffresten zu weben. Meine Idee war, dass man die eigentlich unbrauchbaren Stücke vielleicht noch verwenden könnte, um Stirnbänder oder Mützen daraus zu machen. Anfangs war es spannend gewesen, verschiedene Farbkombinationen auszutesten und zu sehen, welche Muster daraus entstehen würden. Sobald es aber darum ging, daraus etwas Konkretes herzustellen, wurde es schwierig: Durch das Weben alleine war der Stoff zu locker, nähte ich die Bänder aber aneinander, wurden die Flächen zu steif und überdies war es sehr schwierig, dass alles schön regelmässig wurde. Als dann auch noch die Nähmaschine streikte, beschloss ich, diese Idee erst einmal zu vertagen.

Ich verzog mich ins Dunkel. Denn mein nächster Plan war, Cyanotypien herzustellen. Freunde von mir hatten diese Technik ausprobiert und ich wollte sehen, was sich mit Textilien daraus machen liesse. Cyanotypie ist ein fotografisches Verfahren. Es funktioniert so: Papier oder Stoff wird mit einer lichtempfindlichen Chemikalie bestrichen. Das machte ich daheim, da dort mein Wäscheständer ist:


Sobald die Flüssigkeit getrocknet ist, kann man Dinge darauf legen und die Blätter oder Stoffe belichten. Am besten geht das bei Tageslicht. Im Sommer reichen dafür 5 Minuten, aber auch jetzt im Winter funktioniert es, dauert aber ca. eine halbe Stunde. Zusätzlich habe ich mir einen kleinen Scheinwerfer zugelegt, für Regentage. Der ist eigentlich zum Belichten von Siebdrucken vorgesehen, funktioniert aber auch für Cyanotypien (wichtig ist ein hoher UV-Licht-Anteil). Nur leider muss der Scheinwerfer recht nah am Papier sein (ca. 50 cm) und hat dadurch bloss einen kleinen Radius.


Dort, wo man etwas auf die beschichtete Fläche legt, kommt kein Licht hin. Diese Teile werden nicht belichtet.

Wenn man das Papier nach dem Belichten mit Wasser ausspült, wird die Chemikalie an den unbelichteten Orten wieder weggespült. Dort, wo das Licht hingegen hinkommt, wird die vorher grüne Fläche tiefblau.

Ich hatte dann die Idee, dass ich die beschichteten Stoff rüschen könnte. Dort, wo der Stoff zusammengerafft ist, kommt weniger Licht hin, so werden die Rüschen auf den Stoff abgebildet:

Von Hand durch den Stoff nähen und den Stoff dann zusammenziehen.
Der belichtete Stoff (dort, wo die Sonne hinschien, wurde die Beschichtung dunkel)

Der ausgespühlte Stoff
Ich machte verschiedene Versuche. Am besten lässt sich das Resultat kontrollieren, wenn man kleine Stiche quer zur Nährichtung macht und den Stoff nicht zu fest zusammenzieht.


Weitere Versuche:


















An dieser Technik habe ich im Moment sehr viel Freude, vor allem an der Variante mit dem Rüschen. Die Resultate haben Ähnlichkeiten mit der Färbetechnik Shibori (nur dass dort gefärbt statt belichtet wird und der Stoff dementsprechend viel fester zugeschnürt werden muss). Deswegen nenne ich sie Cyanori. Ja, ich weiss, das klingt wie vergiftetes Sushi, aber ich bleibe dabei! Ich kann mir gut vorstellen, z.B. Schals auf diese Weise zu machen.

Bis dahin alles Gute
Eta Carina


Hi my dears!

I thought it was about time to show you some of the stuff I'm working on at my studio.
Well, my first intention was to recycle leftover fabric by weaving. I had hoped I could then turn the woven bits into small accessories like headbands or winter hats. In the beginning it was fun to test different colour combinations and see what patterns this would create. But when I tried to actually sew something it didn't really work: By weaving alone the fabrics where too loose, and when I tried to change this by sewing the stripes together the squares became all stiff and irregular. And when finally the sewing machine went on strike I decided to defer this idea.

I fled into darkness. For my next plan was to make cyanotypes. Friends of mine had tried this technique with paper and I wanted to try it on fabric. Cyanotype is a photographic process. It works like this: You apply a photosensitive solution on paper or fabric with a brush and let it dry. I didn't do this in the studio actually but at home, because that's where my laundry rack resides.

As soon as the paper is dry you can put all kinds of things on it and then expose it to light. Daylight works best. In summer 5 minutes will do, but it even works now in winter, taking about 30 minutes. Additionally I bought a small spotlight for rainy days. It is meant for silk screens really, but it worked on my cyanotypes as well. The important thing is that the lamp emits a high amount of ultraviolet light. Unfortunately though it needs to be placed very near the paper (about 50 cm) and therefor only works in a small radius.

When you place objects on the coated surface, light won't get through there. After exposure you can wash out the chemical with water. The unexposed parts will get white again. The exposed parts turn from green to a deep blue. 

I then had the idea to ruffle the coated fabrics. The gathered parts would get less light, like this the ruffles would get transferred to the fabric.

I tried various stitches. Small stitches at right angle to your sewing direction make for the most controllable results. I also found it looks best if you don't gather the fabric too much.

I really enjoy this technique at the moment, especially the ruffle variant. The results look similar to a dying technique named Shibori (only there you dye instead of exposing and therefor have to fasten the threads much more). That's why I call the ruffle-technique cyanori. Yes, I know that sounds like poisonous sushi, but I like it anyway. I think it would make for some nice scarfs.

Until then I wish you all the best
Eta Carina


Dienstag, 4. März 2014

Borte für Mittelalterkleid

Wie letztes Mal erwähnt brauchte mein Mittelalterkleid noch eine Borte. Et voilà, jetzt ist sie fertig, etwas mehr als zwei Meter lang. Sie ist brettchengewebt, das heisst, mit Hilfe kleiner Kartonbrettchen, die man vor- und zurückdreht, gemacht. Dadurch verdrehen sich die verschiedenfarbigen Fäden ineinander und ein Muster entsteht. Mehr möchte ich zu dieser Technik gar nicht sagen, denn natürlich gibt es dazu bereits sehr umfangreiche Internetseiten. Die für mich Nützlichste ist www.flinkhand.de, wo auch viele andere mittelalterliche Handarbeitstechniken erklärt werden. Ihr findet dort einen geschichtlichen Abriss, eine wirklich, wirklich detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung und Muster zum Nachweben (vielleicht findet ihr ja heraus, welches Muster ich als Vorlage genommen habe). Das einzige, was ich zu bemängeln habe: Die Angaben, wie viel Garn man braucht, sind eher knapp bemessen. Anfänger und Nicht-so-Sorgfältige können bei so langen Borten wie hier gut nochmals einen Meter dazurechnen. Ansonsten ist die Seite sehr hilfreich.
So, und was fehlt jetzt noch? Genau, ein passendes Unterkleid. Dann mach ich mich mal an die Arbeit...


















As I mentioned last time, my medieval dress needed a boarder. Et voilà, now it is finished, about two metres long. It is tabletwoven, which means it is made by turning small cardboard cards back and forth so the threads intertwine and form a pattern. If you want to learn more about tablet weaving, you can visit www.flinkhand.de, which I found very useful. It explains the history of tablet weaving, contains a very detailed step-by-step tutorial and provides you with a lot of patterns (maybe you find out which one I used). And there are also many other medieval crafting techniques explained. The only bad thing is that the measures given are rather tight. Beginners and people that don't work very accurate can easily add an extra meter (at least for boarders as long as mine was). But otherwise it was very helpful.
And now what's next? Exactly, a matching underdress. So much work to do...