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Freitag, 27. März 2015

Lolita Meet-up: "Inspiration Japan" in Zürich

Ihr Lieben

Am Sonntag hatten wir ein Lolita-Treffen in Zürich. Zuerst genehmigten wir uns einen ordentlichen Brunch im Cafe Odeon. Danach ging es weiter zum Kunsthaus, wo wir uns die Ausstellung Monet, Gauguin, van Gogh... Inspiration Japan anschauten.

Vor dem Kunsthaus steht auch Rodins "Höllentor". Passenderweise frönten wir hier unserer Eitelkeit und benutzten das Tor als Kulisse, um unsere Outfits gegenseitig zu fotografieren. Ich trug an dem Tag schwarz und Blümchen:

Foto: Rahel Zangger

Rock und Bluse: Selbstgenäht
Strümpfe: H & M
Schuhe: Dosenbach
Schultertuch: Markt
Stulpen: Selbstgehäkelt


Stulpen

Nun aber zur Ausstellung:
Es mag überflüssig sein, das zu erwähnen, aber: Dass sogenannte "Westler" einen Japan-Fimmel entwickeln, ist keineswegs ein neues Phänomen und beschränkt sich natürlich auch nicht in einer Vorliebe für Rüschenröcke und kawaii Accessoires. Ab 1860, so lesen wir in der Ausstellungs-Broschüre, verfiel Europa in eine regelrechte Japan-Euphorie. Kunstwerke und Design-Objekte aus Fernost wurden von vielen Leuten gesammelt und bewundert. Dies beeinflusste viele Kunstschaffende zu dieser Zeit in ihrem Malstil oder den gewählten Motiven.

Die Ausstellung ist sehr umfangreich, deshalb beschränke ich mich schlicht auf die Sachen, die mir am meisten geblieben sind. Ganz besonders gefreut hatte ich mich, als ich eine Reihe von Katagami entdeckte. Diese Druckschablonen aus Papier hatten mich schon im Textilmuseum St. Gallen fasziniert. Die feinen Papiergebilde wurden den gröberen, aber ebenfalls ornamentalen Holzschnitten von Félix Vallotton gegenübergestellt.

Katagami, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Félix Vallotton: La paresse (1896)

Und damit wären wir bei Hiroshiges Holzschnitten. Die Bilder kommen wie leichte Tuschezeichnungen daher, aber der Eindruck täuscht: Für jede Farbe musste ein separater Druckstock geschnitzt werden, um die Bilder zusammenzufügen. Die klaren Linien und die bunten, flächigen Farben flossen auch in die Arbeiten der europäischen Künstler ein. Ganz augenscheinlich wurde das bei Henri Rivière mit seinen "36 Ansichten des Eiffelturms" (1902). Er liess sich hier auch thematisch inspirieren: Viele Holzschnitte waren Teile von umfangreichen Landschaftsserien.

Utagawa Hiroshige: Hakone (1833/34)
Aus der Serie: Die 53 Stationen des Tokaido

Utagawa Hiroshige: Im Kameido Tenjin-Schrein (1856)
Aus der Serie: 100 berühmte Ansichten von Edo

Henri Rivière: Bild aus der Serie 36 Ansichten des Eiffelturms (1902)

Ebenfalls beliebt waren häusliche Szenen aus dem Alltag. Diesem Thema ging Mary Cassatt in einer Serie nach. Wiederum: Auch das ist keine Tuschezeichnung, sondern ein Druck! (Entschuldigt mich, an solchen Details bleibe ich immer hängen. Ich nehme an, ich bin beruflich etwas vorbelastet...)

Mary Cassatt: Der Brief (1891)

Und zuletzt: Vielleicht unbeabsichtigt hat sich eine weitere Thematik in die Ausstellung eingeschlichen: Frauen beim Kunstbetrachten! Drei Bilder sind mir aufgefallen:

Alfred Stevens: Le masque japonais (um 1874/75)
Edgar Degas: Au Louvre: La peinture (Mary Cassatt) ca. 1880

Joseph Tissot: Jeune femmes regardant des objets japonais (1869)

Junge Damen mit rüschenbesetzten Gewändern vor japanischen Kunstwerken: Hier schliesst sich also der Kreis und hiermit beende ich meinen Beitrag.

Alles Liebe
Eta Carina


Bild-Quellen:
http://www.kunsthaus.ch/inspiration-japan/assets/content/img/04_Wertvolles_Kunsthandwerk/Katagami.jpg
http://www.felix-vallotton.com/#!galerie/c1px9
http://en.wikipedia.org/wiki/Hiroshige#/media/File:Hiroshige11_hakone.jpg
http://www.kunsthaus.ch/inspiration-japan/assets/content/img/03_Monets_Garten/Hiroshige_Im%20Kameido_TenjinSchrein.jpg
http://nonsuchbook.typepad.com/nonsuch_book/2011/07/thirty-six-views-of-the-eiffel-tower-by-henri-riviere.html
http://media.guggenheim.org/content/arts_curriculum/masters/thirdmind_L1_1_z.jpg
https://cercleesthetiqueetphilosophiquewildien.files.wordpress.com/2012/10/alfred-stevens-le-masque-japonais-ou-lintrigue.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Edgar_Degas_Au_Louvre_la_peinture_(Mary_Cassatt)_c1879-1880.jpg
http://www.kunsthaus.ch/inspiration-japan/assets/content/img/07_Zitate/Tissot_Jeunes_femmes.jpg



Hello my dears

On Sunday I went to a Lolita meetup in Zurich. First we had a hearty brunch at the cafe Odeon. After that we went to the Kunsthaus, to see the exhibition Monet, Gauguin, van Gogh... Inspiration Japan.

In front of the Kunsthaus stands Rodins "Gates of hell". Accordingly we wallowed in vanity and used the gate as a background for our outfit snaps. My outfit for the day was all black and flowery.

But now for the show:
Needless to say: long before Lolita was born there where "western" people that got fascinated by Japanese culture. From 1860 on, as we learn in the exhibition, European people went rather crazy for Japanese art and design. Many artists collected such works and where influenced by them in what and how they painted.

The show is very big so I just stick to the things that impressed me most. I especially enjoyed to see several Katagami. I first learned about these printing stencils some months ago at the Textilmuseum St. Gallen. The fragile paper stencils where compared to the rougher, but also ornamental woodcuts of Félix Vallotton.

Speaking of woodcuts: The pictures of Utagawa Hiroshige look like ink drawings at first sight. But they are especially elaborate printings, where every colour equals a separate printing block. The clear lines and colourful fields had a big impact on the European artists. Like with Henri Rivières "36 views of the Eiffel tower" (1902). He was also thematically inspired by Hiroshige: Many japanese woodcuts where parts of whole landscape-series.

Another popular theme where everyday life scenes at home. Mary Cassatt explored that field with another serial of prints. (I somehow can't get over the fact how all of these pictures look so little like printed. Sorry to bore you with such details. I suppose I just printed too much myself...)

And finally: Accidentally there seems to be another topic at this show: Women looking at art! These three pictures of Stevens, Degas and Tissot caught my attention. Young ladies in frilly clothes contemplating Japanese art: So the circle is complete and my post comes to an end.

Love
Eta Carina




Montag, 6. Oktober 2014

Crochet Power

Heute möchte ich euch ein tolles Projekt vorstellen: Crochet Power.
Dabei handelt es sich um eine Plattform, welche die Künstlerin Sabina Speich 2013 gegründet hat. Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, um gemeinsam an einem Projekt, z.B. einem Netz oder einer Decke, zu häkeln. Dabei sind die Häkelnden nicht nur online über die eingesendeten Häkeleien verbunden, es finden auch immer wieder Anlässe statt, um zusammenzusitzen und gemeinsam zu handarbeiten. Aus den kleinen Einzelteilen der Einzelpersonen entstehen grössere Gebilde. Die so entstandenen Werke werden dann jeweils für einen guten Zweck versteigert. Aktuell sucht Sabina Speich Leute, die Häkelblumen oder Granny Squares häkeln. Noch bis am 14. Dezember 2014 könnt ihr euch für diese Aktion anmelden, eine Blume häkeln und einsenden.
Die Einzelstücke werden dann zu einer Häkeldecke zusammengenäht. Diese wird zu Gunsten von Avanti donne versteigert werden, einer Kontaktstelle für Frauen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen.
Hier könnt ihr die Blumen sehen, die schon eingetroffen sind:
http://crochetpower.net/blumen.html

Bild von http://crochetpower.tumblr.com

Sabina Speichs Engagement hat einen persönlichen Grund: 2013 litt sie selber an einer Erschöpfungsdepression und fing im Rahmen einer Therapie an zu häkeln. So ist das Häkeln also nicht bloss ein Anfertigen schöner Dinge, sondern auch eine Strategie, selbst wieder auf die Beine zu kommen. Darum gefällt mir dieses Projekt auch so: Aus einer Situation heraus, wo es ihr selbst schlecht ging, hat sie eine Möglichkeit gefunden, nicht nur sich selbst zu helfen, sondern etwas zu schaffen, das viele Menschen verbinden kann und Freude bereitet.

Blumen oder Granny Squares zu häkeln ist gar nicht so schwierig, geht schnell und macht Spass. Ich habe dazu ein paar Anleitungen herausgesucht:
Rund häkeln
Granny Squares häkeln
Einfache Blumen häkeln

Eine gute Sache also, die aber nur funktioniert, wenn möglichst viele Leute mitmachen. Also schnappt euch Garn und Häkelnadel und macht mit!

Bis bald
Eta Carina

P.S.: Das sind meine beiden Blumen, die ich diese Woche noch auf die Post bringen werde :-)



Today I'd like to present you a great project: Crochet Power.
It is a platform, formed in 2013 by the artist Sabina Speich. Its goal is to bring together all kinds of people to crochet a bigger object together, like a giant net or blanket. The crocheters aren't only connected online through their work, but also offline through various events, where they can meet and craft together. The small single pieces form bigger things. These are then sold at auctions, the money gained gets donated to charity. At the moment, Sabina Speich is looking for people who may crochet flowers or granny squares. Until the 14th of december 2014 you can register on her website, crochet a flower and send it to her.
All the flowers get sewn together to a blanket. This blanket will then be auctioned and the benefits go to Avanti donne, a point of contact for women with disabilities or chronical ilnesses.
 Here you can look at the pieces that have already arived:
http://crochetpower.net/blumen.html

Sabina Speich's Engagement has a personal background: In 2013 she suffered from a depressive exhaustion and started crocheting as a therapy. So for her, crocheting isn't only a way to create nice things but also a strategy to get on one's feet again. That's why I'm so impressed by this project: From a situation where she felt bad she found a way to not only help herself but create something that can connect people and gives them joy.

It's not difficult to crochet flowers or granny squares, and it's fast and fun as well. I have looked up some tutorials (in German):
crochet circles
crochet granny squares
crochet simple flowers

So you see it's a good thing, but it only works when there are a lot of people participating. So grab your yarn and hook and join in!

See you soon
Eta Carina

P.S.: Above are the two flowers I contributed :-)

Freitag, 20. September 2013

Freskos und Umzugswahn

Diese Seite wandelt sich vorübergehend vom Näh- zum Inneneinrichtungs-Blog. Denn immer noch steht der Umzug bevor, immer noch habe ich nicht annähernd soviel geräumt und verpackt, wie ich finde ich müsste und immer noch wandern meine Gedanken lieber ab zu eher unwesentlichen Details. Wie einem Wandbild. Ja genau, unser Wohnzimmer braucht ein Wandbild. Wobei, "Wandbild" ist vielleicht etwas dick aufgetragen, aber immerhin ein Fries soll es werden.

Und so kam es dazu: Vor einiger Zeit machten mein Freund und ich einen Ausflug nach Siena und besuchten dort auch das Rathaus. Dieses ist bekannt für seine vielen Freskos, allen voran "die Allegorien der guten und schlechten Regierung". Dies ist sogar so bekannt, dass man bei der Google-Bildsuche unter "Siena" und "Fresko" eigentlich kaum etwas anderes findet. Was mich aber besonders faszinierte, waren weniger diese figürlichen Malereien, sondern die Ornamente, die die Fresken einrahmten und die Form der Architektur betonten. Durch die Fresken waren alle Räume sehr bunt und einzigartig.

Nun trugen wir uns schon länger mit der Idee, unsere Wohnung wenigstens teilweise mittelalterlich angehaucht einzurichten. Leichthin sagte ich damals in etwa: "Wenn wir dann mal zusammenziehen mal ich uns auch so Ornament-Zeuchs an die Wand!"Als wir dann endlich unsere Wohnung gefunden hatten, kam diese Idee wieder auf und mit ihr auch mein Versprechen. Nun ist natürlich einleuchtend, dass das einige Schwierigkeiten mit sich bringt:

1. Die Wohnung: Was in einem riesigen, dunklen Saal toll aussieht, funktioniert in einer winzigen Dreizimmerwohnung nicht unbedingt. Angefangen bei den Lichtverhältnissen, über das Fehlen von allerlei Bögen und Winkeln, an denen die Muster entlanglaufen können bis hin zu Fragen wie "Passen die Stühle zum Tisch zur Wandfarbe zu diesen gemalten Blättern?"

Sala dei cardinali


Sala di Balia
Beachtet nicht die Heiligen, beachtet die Ornamente!


2. Das Quellenmaterial: Wie angedeutet gehen die Zierornamente im Internet unter, man findet wenn überhaupt nur verschwommene Fotos und kaum Detailaufnahmen. Deshalb musste ich als Vorbild auf Fotos des Museums "Santa Maria della Scala" zurückgreifen, das wir zwar nicht besucht hatten, den Bildern aus meiner Erinnerung aber sehr nahe kam.

Santa Maria della Scala
Pellegrinaio

Quellen obige Bilder:
Palazzo_Pubblico_affresco_2.JPG
Spinello_Aretino_fresco_in_Palazzo_Pubblico.jpg
sala_del_pellegrino.jpg

3. Meine handwerklichen Fähigkeiten. Schon mal ein Fresko gemalt? Nicht? Na, moderne Dispersionsfarbe ist sowieso besser für die Nerven des Vermieters! Und die Farben stimme ich schon richtig aufeinander ab, nicht zu knallig, nicht zu öde. Und gleichmässig wird's auch. Und das Muster kommt dann von selber. Na, jetzt wisst ihr, warum mir von diesem Vorhaben der Kopf schwirrt! Aber ich übe:






Versuche mit verschiedenen Breiten, Positionierungen und Mustern. Im Moment sind die Farben immer noch zu satt. Auch bin ich nicht sicher, wie ich das Pflanzenornament malen soll: Weiss oder bunt, eher grafisch oder frei? Natürlich ist es nicht mit einem echten Fresko zu vergleichen, aber ich bin zuversichtlich, dass etwas Ansehnliches herauskommt.

... Und wenn alle Stricke reissen hängen wir halt einen Wandteppich drüber:
http://www.almerlin.de/wandteppiche/mittelalter.html

Soviel für den Moment. Viele Grüsse,
Eta Carina

Dienstag, 10. September 2013

Souvenirs

Da ich in einigen Wochen umziehen werde, komme ich so bald wohl kaum dazu, etwas Neues zu nähen. Immerhin bleibt aber die Zeit, von neuen Projekten zu träumen. Inspirationsmaterial gibt es genug. Einige besonders tolle Dinge in dieser Hinsicht wurden mir in diesem Sommer von Reisen heimgebracht oder ich entdeckte sie selber.

Das erste ist ein Spitzenband, das ich in den Sommerferien in einem Second-Hand-Laden in Kopenhagen gefunden hatte. Sie soll aus dem Jahr 1910 stammen. Ob das wohl stimmt? Jedenfalls fand ich sie wunderschön und habe etwas Vergleichbares auch noch nie in einem anderen Laden gesehen. Die einzige Sorge ist, was ich damit nur anstelle, damit es der Spitze auch gerecht wird. Zumal sie auch nur 3 Meter lang ist.





Dann bekam ich von einer Freundin einen Fächer aus Venedig geschenkt. Er passt super zu einem schwarzen Sonnenschirm, den ich vor zwei Jahren ebenfalls in Venedig gekauft hatte.


Die Frau scheint mich wirklich gut zu kennen, denn sie brachte mir ausserdem  ein Büchlein mit Postkarten der Ausstellung Impressionism, Fashion and Modernity im Art Institute Chicago mit. Impressionistische Gemälde wurden zusammen mit Kleidungsstücken aus der selben Zeit ausgestellt. Leider kann ich nicht einfach die Postkarten hier hineinstellen, aber Malereien aus dieser Zeit findet man natürlich im Internet. Am besten gefällt mir das "Pünktchenkleid" auf diesem Bild von Monet. Wer sich für die Mode dieser Epoche allgemein interessiert, sollte sich vielleicht mal die Bilder von James Tissot genauer ansehen. Irgendjemand hat ihm zu Ehren sogar eine recht umfangreiche Internetseite erstellt: http://www.jamestissot.org.

Claude Monet: femmes au jardin, 1866
James Tissot:
Portrait de Mademoiselle L. L., 1864 
James Tissot:
Portrait de la Marquise de Miramon,
née Therese Feuillant, 1866
James Tissot: Kathleen Newton, 1880

In a few weeks I'm going to move into the big city. (Just kidding, it's not that big, I just didn't know how to say it in English). Since my head is buzzing from all the organizing stuff I won't be able to sew for a while. But at least I still have time to dream of new projects and there's way enough inspiration around. Some of the best things I received or found during the summer holidays.

The first thing is a piece of lace that I found on my summer holidays in a second hand store in Copenhagen. The shop keeper said it dates back to 1910. I wonder if that's true, but anyway I find it just amazing and have never seen something alike in a "normal" store. The only thing that bothers me is that I'm afraid I can't sew something adequate with it. And it's only 3 meters long.

The second thing is a fan which a friend brought me from Venice. It just fits perfectly with a parasol I bought at the same place two years ago.

And as that friend really seems to know me well she also gave me a book of postcards from Chicago. There was this exebition Impressionism, Fashion and Modernity in the Art Institute Chicago. They showed impressionist paintings along with dresses from the same period. Unfortunately I can't show you the postcards with the dresses but of course the paintings can easily be found on the internet. I most like the dotted dress in the picture of Claude Monet. People interested in the fashion of that time could  take a closer look at the pictures of James Tissot. There is even a internet site just about this painter: http://www.jamestissot.org.