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Donnerstag, 31. Januar 2019

Sherlock-Kleid: Fall abgeschlossen!

Hallo zu meinem 101. Post!

Ja, ich habe das mit dem 100. Beitrag etwas verschlafen und auch für Post Nr. 101 habe ich leider nichts Spezielles geplant... Ich hoffe, ihr findet es trotzdem interessant.
Und zwar habe ich ein altes Kleid abgeändert. Vor 6 Jahren waren wir in Schottland in den Ferien und ich fand dort Secondhand einen Sherlock Holmes-Hut! Den fand ich so toll, dass ich extra für diesen Hut ein passendes Kleid nähte. Da es eines meiner ersten selbstgemachten Kleider war, war ich ziemlich stolz darauf. Nur leider bemerkte ich mit der Zeit, dass es etwas unförmig ist, so dass ich es abgesehen von ein, zwei Anlässen nie mehr angezogen habe. Schade, denn der Stoff war sehr schön...
Nun, dieses Wochenende werde ich in Basel die Ausstellung "Mut zum Hut" anschauen gehen. Natürlich möchte ich da meinen Sherlock-Hut wieder einmal anziehen. Grund genug also, endlich das Kleid dazu abzuändern.

Das ist das ursprüngliche Kleid:

Das Hauptproblem ist, dass ich damals direkt unterhalb der Brust eine Unterteilung machte, das Kleid danach aber bis zur Taille weiterhin gerade verläuft. Als hätte ich mich nicht entscheiden können, ob ich ein Babydoll-Kleid oder ein tailliertes Kleid machen wollte. Das sah dann ziemlich unproportional aus! Die monströsen Rüschen links und rechts machten die Sache auch nicht wirklich besser. Zum Glück hatte ich noch genug Stoff übrig, so dass ich das gesamte Oberteil neu machen konnte.


Ich trennte also das Oberteil ab. Zusätzlich schnitt ich beim Rock noch die 5 cm weg, die einfach gerade nach unten liefen. Der Rock fängt jetzt genau bei der Taille an und wird sofort weiter. Ansonsten war der Rock gut so, wie er war.
Nur so nebenbei: Das Schnittmuster für den oberen Teil nahm ich aus "Otome no sewing Nr. 4", das ich vor Ewigkeiten geschenkt bekommen hatte. Die "Otome no sewing" sind Nähbücher für Lolitamode. Zwar ist alles auf Japanisch, aber man kommt erstaunlich weit, indem man nur die Bilder anschaut. Wer interessiert ist, findet auf Miss Carol Belles Blog Scans der einzelnen Ausgaben.


Ich schnitt also die einzelnen Teile zu und nähte sie zusammen. Als Verzierung gab es statt Monsterrüschen diesmal nur schlichte schwarze Spitze und Knöpfe.

Die vordere Mitte ist auf der Rückseite mit Bügelvlies verstärkt, damit sie sich nicht verzieht.
Die Klöppelspitze ist direkt auf den Stoff genäht.
Das Innenfutter des Oberteils. Es fehlt noch das Shirring (siehe weiter unten)

Ich bin froh, dass ich dieses Kleid nun endlich abgeändert habe, so dass ich es wieder tragen kann. Und ich freue mich auf Basel dieses Wochenende :-)



Hello to my 101th post!

Yes, I forgot to mention anything in my 100th post. And I don't have anything special planned for post No. 101 either... I hope you at least find the topic at hand interesting.
What I did was altering an old dress. Six years ago we had been to Scotland and I found a Sherlock Holmes hat there! I loved it so much, I sewed an entire dress to fit this hat. As it was one of my first self made dresses I was super proud of it. But alas, I soon noticed that it really wasn't that great. It didn't fit properly, so I soon stopped wearing it. Which was a pity, because the fabric was very nice...
Anyway, I will be visiting the exhibition "hats off to hats!" in Basel this Weekend. And as I wanted to wear my Sherlock-hat for this occasion, I finally had a reason to improve this old dress.

You can see the old dress in the first picture. The main problem was that there is some sort of "belt" directly underneath the breast part, but then the dress continues to be narrow for some more centimetres. It's like I couldn't decide if I wanted a Babydoll or a waisted dress. As a result it was neither and looked very disproportionate! The monstrous ruffles on the side made things even worse. Luckily I still had plenty of fabric left, so I could make a completely new bodice.

So I cut off the upper part. Additionally I cut away the topmost 5 centimetres of the skirt. Now, the skirt starts directly at my waist and flares out immediately.

By the way: I took the pattern for the bodice from "Otome no sewing No. 4", which I got as a present ages ago. The "Otome no sewing" is a series of sewing books for Lolita fashion. It's all in Japanese, but I was surprised how much I could guess from just staring at the pictures. If you want to know more about those books there are scans of the different volumes on Miss Carol Belles Blog.

So after cutting out the different pieces I sewed everything together. Instead of monster ruffles I just used plain black lace and buttons this time.

I'm glad I finally altered this dress so it's at long last wearable again. And I'm looking forward to Basel :-)



Mittwoch, 26. April 2017

Dolores

Ihr Lieben

Die Fantasy Basel steht wieder vor der Tür und das bedeutet: Zeit für ein neues Cosplay.
Dieses Jahr gehe ich als Dolores.

Quelle: http://screenertv.com/television/westworld-alice-in-wonderland-dolores-goes-down-rabbit-hole/
Dolores ist ein Roboter. Sie lebt im Vergnügungspark "Westworld", wo Touristen hinkommen, um Wildwestabenteuer nachzuspielen. Und da man Roboter ja reparieren kann und Erinnerungen löschbar sind, ist es auch nicht verwerflich, wenn die Parkbesucher nicht gerade rücksichtsvoll mit den Robotern umgehen. Dolores sieht weiterhin das Gute in der Welt und tut keiner Fliege etwas zuleide. Zumindest zu Beginn...

Quelle: http://heavy.com/entertainment/2016/10/westworld-what-do-the-flies-mean-meaning-symbolize-significance-face-eyes-theories/

Das Kleid dieses Jahr war eine Herausforderung, denn im Gegensatz zu Princess Bubblegum und Susanne, die ja viel Spielraum für Interpretation lassen, hat Dolores das Aussehen einer bestimmten Schauspielerin (Evan Rachel Wood, der ich nicht ähnlich sehe) und es gibt viele hochauflösende Bilder, wo man bis aufs Unterhemd ganz genau sehen kann, wie der Stoff und der Schnitt und die ganzen Verzierungen auszusehen haben. Natürlich musste ich hier und da Kompromisse machen. Im Grossen und Ganzen glaube ich aber, dass ich mich recht gut ans "Original" gehalten habe.

Schnitt
Die Zeit des Wilden Westens ist das 19. Jahrhundert, und Dolores' Kleid ist in einigen Dingen typisch für die Mode zu der Zeit: Der Rock ist bodenlang und vor allem hinten weit, das Oberteil ist figurbetont, die Ärmelnähte sind nicht unten, sondern an den Seiten. Ich konnte darum meine Belle Epoque-Schnittmuster wieder hervorholen, musste aber natürlich auch einige Dinge ändern.
So ist der Rock hinten in regelmässigen Abständen gefaltet statt nur gerüscht. Das Oberteil wird vorne durch Knöpfe geschlossen statt am Rücken mit Haken und Ösen. Es dauerte ein Weilchen, bis ich das Schnittmuster gut angepasst hatte! Ich denke aber, jetzt sitzt es gut. Auch dank vielen versteckten Druckknöpfen...





Borte
Das Schönste an Dolores' Kleid finde ich die Verzierungen an Ärmeln und Ausschnitt. Bei näherem Hinsehen ist die Borte gepunktet. Da ein Polkadot-Print aber zu modern ausgesehen hätte, bestickte ich ein Baumwollstück von Hand. Danach musste ich den Stoff falten und annähen.
Ganz innen verläuft ein Samtband. Ich fand kein Band in der richtigen Farbe, weshalb ich ein hellblaues Band mit verdünnter Textilfarbe einpinselte. Ich bin nicht sicher, wie lange das hält, aber so sieht die Farbe weniger künstlich aus.










Das Samtband normal (links) und eingefärbt (rechts)



Knöpfe
Auf der Vorderseite habe ich normale Knopflöcher genäht. Bei den Ärmeln liegen die Knöpfe jedoch neben dem Stoffrand. Darum nähte ich dort einen Wollfaden an den Stoffrand und häkelte Schlaufen, wo die Knöpfe durchgehen.

Quelle: http://www.businessinsider.com/westworld-season-2-date-2016-12
Knopf annähen

Schlaufe häkeln

Schlaufe annähen

Zwischen den einzelnen Schlaufen ist der Wollfaden einfach mit Vorstichen angenäht.


Gürtel
Dolores hat einen sehr auffälligen Gürtel mit einem geprägten Blütenmuster und einer metallenen Schnalle. Westerngürtel mit ähnlichem Muster findet man viele, aber sie werden natürlich eher um die Hüfte getragen als um die Taille und haben andere Schnallen. Ausserdem sind schöne Gürtel nicht gerade billig! Glücklicherweise bin ich aber nicht die erste in meiner Familie, die sich gerne anzieht wie in früheren Zeiten. Ja, während ich mich gerne an Mittelaltermärkten und Conventions herumtreibe, bevorzugte mein Onkel Cowboystiefel und -Hüte. Und glücklicherweise hatte ich noch einen Gürtel von ihm. Zuerst dachte ich, ich könne ihn nicht gebrauchen, da er einen ganz anderen Verschluss hat als Dolores' Gürtel. Nach einigem Zögern machte ich aber einfach ein Loch in den Gürtel und zog eine rein dekorative Gürtelschnalle von Prym ein. Der eigentliche Verschluss ist jetzt am Rücken.
Nun war der Gürtel aber immer noch zu gross für meine Taille. Weil der Verschluss etwas speziell ist, konnte ich nicht einfach zusätzliche Löcher stanzen, sondern musste den Verschluss versetzen. Hier hatte ich Hilfe von Peregrinas, die mir erklärten, was ich für die Lederbearbeitung brauche: Sattlergarn und eine Ahle. Also nahm ich den Verschluss ab und nähte ihn weiter hinten wieder an.
Es bereitete mir schon einige Gewissensbisse, einfach den schönen alten Gürtel für ein Kostüm derart abzuändern. Aber schliesslich war die Gelegenheit zu gut, um sie nicht zu nutzen.

Der eigentliche Verschluss (am Rücken)

Die rein dekorative Schnalle

Verschluss anleimen

Löcher stanzen

Verschluss angenäht

2. Durchgang

Der angenähte Verschluss


Das Kleid steht also. Nun wäre ein Unterrock noch toll und auch Dominiks Cosplay ist noch nicht ganz fertig. Die grösste Herausforderung aber wird sein, aus dunkeläugig und braunhaarig blond und  blauäugig zu machen. Die Perücke, die ich gekauft habe, sieht schonmal grossartig aus... Zu grossartig: Niemand, der in der Prärie lebt, kann so volle und glänzende Haare haben! Ihr seht ja dann, wie es herauskommt...

Alles Liebe
Eta Carina



Hello my dears

This weekend is Fantasy Basel again! This means: high time for a new cosplay!
This year I will be going as Dolores. Dolores is a robot. She lives in the theme park "Westworld", where tourists go to take part in wild west adventures. And since robots can be repared and memories can be erased it's no problem when the visitors treat the robots in a more than careless manner, right? Dolores continues to see only the good in the world and can't hurt a fly. At least in the beginning...

This year's cosplay was a challenge because unlike Princess Bubblegum and Susan, who leave a lot of room for interpretation, the character of Dolores is connected with look of the actress playing her (Evan Rachel Wood, and no, I don't look anything like her). And of course there are many pictures where you can see exactly what the dress is supposed to look like, every seam and decoration, from the top to the undershirt... Of course I had to make compromises here and there. But all in all I think I managed to stay faithful to the "original".

Pattern
The "wild west" takes place in the 19th century and Dolores' dress is in many aspects typical for this periods fashion: The skirt has floor lenght and is wide especially at the back, the top is fitted and the sleeve seams are on the sides. That's why I could re-use my Belle Epoque pattern, although I had to make some changes of course.
The skirt for example isn't just gathered but folded in regular intervals. The blouse is closed at the front by buttons instead of at the back with hooks and eyes. It took me a while to adjust the pattern, but I think it fits well now. With the help of lots of press-buttons...

Border
I think the most beautiful detail of Dolores' dress are the laces on the sleeves and neckline. The folded border is dotted. Of course a polka dot print would have been too modern, so I embroidered a piece of fabric by hand. Then I had to fold and attach the border. There's also a velvet ribbon. I didn't find one in the right colour, so I bought a babyblue ribbon and painted diluted textile paint on it so it would look more natural. I hope it will stay on.

Buttons
On the front side I sewed regular buttonholes with the machine. But at the sleeves, the buttons are supposed to be next to the edge. So I attached a wool thread at the edges and crocheted loops for the buttons.

Belt
Dolores wears a eye-catching belt with a embossed floral pattern and a metal buckle. I found many western style belts with similar floral patterns, but they are worn on the hips rather than around the waist. The buckles look different too. And of course good belts are expensive! But luckily I'm not the first of our family to enjoy dressing up in old fashioned garments. Because while I like to hang around at conventions and medieval fairs my uncle used to prefer cowboy hats and -boots. And luckily again, I still had one of his belts. First I didn't think I could use it because the fastening looks completely different than what I needed. But after some hesitation I just added a purely decorative buckle from Prym. The real fastening is at the back now.
But the belt was still too wide for my waist. I couldn't just make additional holes into the belt because  of the peculiar fastening mechanic. So I had to detach one part of the belt and sew it on again at a different place. I had never sewn leather before. Thankfully, Peregrinas helped me out here as they explained what materials I would have to use: waxed thread and an awl.
I did feel a bit uneasy about changing that old belt so much for a costume. But then, I feel like it would have been a pity not to use it.

So, the dress is ready. An underskirt would be nice if time allows it but Dominiks cosplay isn't all done yet either. But I think the biggest difficulty will be to change my brown hair and dark eyes into blonde hair and blue eyes. I already have a wig and it looks great. Too great... Because no one living in the prairie could have such full shiny hair! Well, you'll see how it will turn out soon...

Love
Eta Carina

Montag, 4. April 2016

Neues Mittelalterkleid

Seid gegrüsst!

Pünktlich zum Mittelaltermarkt habe ich mein neues Kleid fertig. Die Vorbilder für das Kleid könnt ihr in meinem letzten Post sehen.

Die Arme in die Seiten gestemmt, damit man die Ärmel auch schön sieht!
Kleid: selbstgenäht
Haarnetz: http://www.die-netzerin.de
Schuhe: http://www.allerley.ch
Gürtel: http://new.armourandcastings.com

Die Grundform für die Ärmel habe ich auf der stets zuverlässigen Internetseite Flinkhand gefunden (http://www.flinkhand.de/index.php?gewand_surcot). Ansonsten habe ich ein eigenes Schnittmuster anhand meiner Körpermasse gezeichnet. Auf dem übernächsten Bild seht ihr die Vorderseite mit zwei eingesetzten Geren (die Dreiecke), die dem Kleid seine Weite geben.

Geren

Das Kleid wird an den Seiten zusammengeschnürt. Die Löcher habe ich umstickt, damit sie stabil bleiben:


Wie ihr vielleicht noch von meiner Recherche wisst, haben solche Kleider häufig schmale Zierstreifen an den Säumen. Ich habe dafür keine Borte gemacht, sondern gestickt. Es handelt sich um eine Mischung aus Klosterstich und Kreuzstich: Ich habe einen grünen Wollfaden auf den Stoff gelegt und mit dem weissen Faden festgestickt. Das Resultat gefällt mir sehr gut, die Stickerei ist plastischer, als wenn ich nur mit weiss gestickt hätte. 

 

Einige Worte zum Ärmel-Füttern:
Füttern ist schwierig. Also nicht die Ausführung, aber die Logik dahinter. Mein erster Versuch wäre nur dann brauchbar, wenn man auf jeder Seite zwei Oberarme hat. Die in jeweils einen Unterarm münden. Und die Hände im Ärmel verpackt bleiben. Schliesslich hatte ich es dann aber geschafft. Ich kann zwar immer noch nicht in Worte fassen, was man Schritt für Schritt machen muss und wieso, aber falls ihr auch mal solche Ärmel nähen wollt, hoffe ich, dass wenigstens die Fotos ein bisschen weiterhelfen.

1. Versuch (gescheitert)

Die linken Seiten richtig zusammengenäht

Sucess!

Nachdem die Ärmel genäht waren, ging der Rest dann fast von alleine. Passend zum Kleid gibt es noch ein Unterkleid, das in wenigen Tagen folgen wird.
Bis dann alles Gute
Eta Carina



Greetings!

Just in time for the medieval market I finished my new dress. You can see the examples for it in my last post.
I found the basic shape for the sleeves on the ever reliable web page Flinkhand. For the rest I had to draw my own pattern from my body measures. The third picture from above shows the front side with two gores (triangles). The gores determine the with of the dress.
The dress is laced on the sides. I used a buttonhole stitch to secure the eyelets.
As you might remember, the dresses I found during my research had small stripes down the borders of the dresses. I stitched them (instead of tablet weaving). The stitching is done in some sort of mix between surface couching and cross-stitch: I laid a green thread on the fabric and stitched it in place with a white thread. I like the result, as the underlying thread makes the whole ornament slightly three-dimensional.
A few words on lining the sleeves: It's difficult! And I mean not so much the execution but the logic behind it. My first try failed, unless if I had two upper arms per side, ending in one arm with the hands hidden inside the sleeves. In the end I worked out how to do it, but I still can't really explain it. But if you choose to one day sew such sleeves I hope the pictures might help at least.
After finishing the sleeves the rest was a lot easier. There's an undergown for this dress as well, which I'll upload in the next few days.

Until then I wish you well
Eta Carina

Donnerstag, 31. März 2016

Sexy. Badass. Medieval!

Guten Abend

Verzeiht mir den reisserischen Titel, aber den konnte ich mir nicht verkneifen. Ich wollte ihn auch nicht übersetzen, weil er so einfach schmissiger rüberkommt. Jedenfalls möchte ich heute über die Recherche zu meinem neuen Mittelalterkleid schreiben, und die begann eigentlich ganz unspektakulär:Vor etwa einem Jahr bekam ich ein wunderschönes Haarnetz geschenkt. Ich begann darum nachzulesen, zu welchen Kleidern man im Mittelalter Haarnetze trug. Auch wollte ich, dass mein nächstes Mittelalterkleid hitzesommertauglicher wird als das, was ich im Moment habe.
Vor allem für das Spätmittelalter und die Renaissance findet man viele Bilder von Haarnetzen, aber meistens waren die sehr aufwändig gemacht, mit Goldreifen, Schleiern und anderem Zierrat, dabei suchte ich eher nach schlichten Exemplaren. Schliesslich landete ich beim Stundenbuch von Taymouth. Dies stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist reich illustriert. Die abgebildeten Frauen sind aber nicht wegen ihrer Haarpracht bemerkenswert, sondern weil sie auf der Jagd sind und dabei nicht gerade zimperlich vorgehen. Zu den harmloseren Darstellungen zählen das erfolgreiche Fallenstellen und das Jagen mit Pfeil und Bogen. Die Damen lassen aber auch ihre Falken auf das Wild los und verfüttern Eingeweide an ihre Jagdhunde.

Das Buch wurde von der British Library digitalisiert
(die Ausschnitte auf diesem Blog sind von mir gemachte Screenshots von der Website):
http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=yates_thompson_ms_13_fs001r







So sehr mich diese Darstellung von Gewalt auch erfreut, wir müssen uns auf die Kleidung konzentrieren. Und die hat einige typische Merkmale: Die Haare werden seitlich hochgesteckt und unter einem Haarnetz getragen. Die Kleider haben ellbogenlange Ärmel mit "Zipfeln" dran. Die Unterkleider haben enganliegende Ärmel. Der Ausschnitt ist sehr weit, er scheint z.T. fast über die Schultern zu gehen. An Ausschnitt, Saum und Ärmeln sind schmale, helle Zierstreifen.

Christine de Pizan im Studierzimmer, Le Livre de la Cité des Dames, Harley MS 4431 fol. 4r ca. 1410
Und wir bleiben bei Frauen, die das "holde Maid"-Klischee sprengen: Meine weitere Suche führte mich zu Christine de Pizan. Sie war eine französische Schriftstellerin im Mittelalter. Ihr bekanntestes Werk ist "La Cité des Dames": Die Hauptfigur (Pizan selbst) ist empört über einen frauenfeindlichen Text eines Zeitgenossen, worauf ihr die drei Tugenden erscheinen. Mit deren Hilfe erbaut sie die titelgebende Stadt der Frauen. Aber ich schweife schon wieder ab! Eben, die Kleidung: Obwohl hier das Haarnetz fehlt, haben wir auch hier wieder die "Zipfel-Ärmel" (der Fachbegriff ist, glaube ich, Eselsohrärmel) und der weite Ausschnitt (obwohl man bei genauem Betrachten sieht, dass das weisse Unterkleid hochgeschlossen ist). Das Kleid hier ist noch figurbetonter. So auch bei diesem Bild aus dem selben Buch:

Hippomenes und Atalante, Le Livre de la Cité des Dames, Harley MS 4431 fol. 128, ca. 1410
Und zum Abschluss nochmals ein Bild mit Haarnetz, diesmal aus dem Alexanderroman:
Jean de Grise, Alexanderroman, Bodley MS 264 fol.101, 1338-1344
Das ist also das Kleid, an dem ich im Moment arbeite: Ein figurbetontes Kleid, wie man es im 14. Jahrhundert oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts getragen hat, mit weitem Ausschnitt und Eselsohrärmeln. Bis bald also!
Eta Carina

Fussnote 1: Auch Christine de Pizans Buch wurde von der British Library digitalisiert:
http://www.bl.uk/manuscripts/SetupViewerHandler.ashx?ref=harley_ms_4431_f001r

Fussnote 2: Folgende Seite hat sich im Detail mit dem spätmittelalterlichen Hals-Ausschnitt beschäftigt. Dort findet ihr auch noch mehr Beispiele für die speziellen Ärmel und Frisuren zu der Zeit:
http://cottesimple.com/fitted-dress/fitted-dress-neckline/

Fussnote 3: Meine Pinterest-Sammlung zum Kleid:
https://www.pinterest.com/carinasarmoire/14-jahrhundert/


Good evening

Sorry for that lurid title, I just couldn't resist. However, today's post really is just about the research for my new medieval dress, which started quite simple: About a year ago I received a truly beautiful hair net. So I started reading about dresses which would go well with it. Additionally, I wanted my next dress to be more comfortable in warm weather. 
You can find many hair nets in late medieval and renaissance pictures., but those where mostly very intricate, with hoops and veils and other ornaments, whereas I was searching for something simpler. At last I found the Taymouth hours. It's a 14th century hour book with rich illustrations. But the women depicted aren't so outstanding for their hair, but because they are shown on a hunt. The more harmless pictures show them building traps or shooting arrows. But you can also see them at falconry and feeding the wild animals' entrails to their dogs.

The book was digitalized by the British Library
(the details shown here are screenshots made by me):
http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=yates_thompson_ms_13_fs001r

Although I would like to dwell on that violence for longer, we must focus on the clothing. There are some characteristics: The hair is worn to the sides in hair nets. The dresses' sleeves go down to the elbow and end in tippets. The underdresses have long tight sleeves. The neckline is very wide, it sometimes seems to even go over the shoulders. There are narrow, bright lines around neckline, seam and sleeves.

Now, let's stay with not so typical medieval women for a little longer: My further search lead me to Christine de Pizan. She was a french author in the late medieval era. Her most famous book is "the Book of the City of Ladies": The main character (Pizan herself) is enraged by a not very women-friendly text by another author, whereupon he three virtues appear. She builds the titular City of Ladies with them. But I digress! The clothes: The hair nets are missing here, but again we have the tippets and the wide neckline (although you can see a high-necked underdress too). The dress is even more fitted. Like on the second picture of the same book. The last picture is from the Alexander Romance. It shows another similar dress, but again with hair net.

So this is the kind of dress I'm currently working on: Fitted, from the 14th/early 15th century, with a wide neckline and tippet sleeves. So see you soon!
Eta Carina

Footnote 1: Christine de Pizans Buch was also digitalized by the British Library:
http://www.bl.uk/manuscripts/SetupViewerHandler.ashx?ref=harley_ms_4431_f001r

Footnote 2: There's an in-depth article about the late medieval neckline on this website. There are also excellent examples of the specific sleeves and hairdos of that time:
http://cottesimple.com/fitted-dress/fitted-dress-neckline/

Fussnote 3: My Pinterest-board about the dress:
https://www.pinterest.com/carinasarmoire/14-jahrhundert/



Freitag, 25. September 2015

Schildmaid

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da stiess ich auf einen speziellen Stoff, der über und über mit allen nur denkbaren Mittelalter- und Fantasykitschmotiven bedruckt war. Ritter! Schwerter! Kronen! Gotische Schnörkel! Ich verliebte mich sofort. Um euch eine Vorstellung zu geben, hier einige Detailaufnahmen:



Wohoo! Nun endlich konnte ich den Stoff zu einem Kleid verarbeiten. Ich hatte Bilder von Ritterrüstungen im Kopf. Deshalb ist das Kleid auch sehr schlicht geschnitten, mit einem hochgeschlossenen, eng anliegenden Oberteil, ohne überflüssige Rüschen. Die Ärmel sollen natürlich an übereinanderliegende Metallplatten erinnern.

Äch! Faden am Fuss!
Jeder Ärmel besteht aus 3 unterschiedlich hohen Einzelteilen, die dann am oberen Rand zusammengenäht werden. Als ich die Einzelteile säumte, begannen sie sich nach oben zu wölben, was zum Glück in diesem Fall sehr hübsch wirkte.
Damit ich problemlos wieder aus dem Kleid hinauskomme, ist das Rückenteil etwas breiter. Durch elastische Fäden zieht es sich aber zusammen, so dass das Kleid sich an den Körper anpasst. Wie das genau funktioniert, wird z.B. in diesem Blog gut erklärt.


Als ich Fotos von dem neuen Kleid machen wollte, fing mich allmählich das elektrische Licht an zu stören, da es halt so gar nicht stimmungsvoll war. "Wenn schon, denn schon", dachte ich und zündete einige Kerzen an. Und gleich sah alles viel schöner aus.

Einen schönen Abend wünscht
Eta Carina




Once upon a long, long time I came upon a very special fabric, covered all over in prints of all sorts of cheesy medieval and fantasy motifs. Knights! Swords! Crowns! Gothic ornaments! Alas, I fell in love right away! I inserted some details so you can get a better idea.

And now I finally managed to make a dress out of it. I had pictures of armours in my mind. Accordingly, the dress is rather plain, without any unnecessary ruffles and with a high-necked, fitting upper part. The sleeves of course are supposed to look like armour plate. Each sleeve is made out of three separate parts that were sewn together on top. They started rolling up when I sewed the edges, which luckily looks quite nice. The back part is broader than the front part, so I can get out of the dress without any problems. I sewed elastic threads onto it, so it adjusts to my body. This blog explains how it works exactly.

When I took photos of the finished dress I started to get annoyed by the electric light, as it sort of killed the atmosphere. So I lit some candles to live up to my new dress. That's better, isn't it?

Have a nice evening
Eta Carina