Freitag, 29. April 2016

Marktfotos und das komplette Kleid

Hallo

Nun ist es natürlich doch wieder etwas länger gegangen mit dem Post zum Unterkleid für mein neues Mittelalterkleid. Dafür habe ich noch einige Fotos vom Mittelaltermarkt zu Luzern von diesem Jahr mit hineingepackt, für den ich das Kleid ja genäht hatte. Aber immer schön der Reihe nach:
Das Unterkleid hat mehr oder weniger den selben Schnitt wie das Überkleid, wird aber vorne statt seitlich geschnürt und hat lange Ärmel. Ausserdem wollte ich, dass die Ärmel abnehmbar sind, falls ich es mal mit einem anderen Kleid kombinieren will oder wenn es im Sommer sehr heiss wird.
Weil die Ärmel separat waren, brauchte ich sehr viele Belege: Am Ausschnitt, an den Ärmeln und Armlöchern.


Innenseite

An den Rändern der Ärmel und Armlöcher habe ich einen Festonstich gestickt. Dazwischen habe ich eine Häkelschnur durchgefädelt, um Kleid und Ärmel zusammenbinden zu können.



Ärmel angemacht

Und so sieht es mit dem Überkleid zusammen aus:


Und wie war der Mittelaltermarkt 2016? Nun, zuerst kalt, dann warm, und im Grossen und Ganzen schön! Am Sonntag Morgen hatte ich sogar kurz Zeit, um über den Platz zu gehen und ein paar Fotos zu machen.





Die Zeitmaschine des Alchemisten 


Schaukampf
Wenn ihr noch mehr Fotos sehen wollt, in der Galerie von www.mittelaltermarkt-luzern.ch werdet ihr mehr als fündig.

Und jetzt muss ich auch schon wieder aufhören mit schreiben. Nächste Woche ist Fantasy Basel und ich wünschte, ich könnte behaupten, dass ich schon im Endspurt für mein Kostüm bin, aber so weit bin ich leider noch längst nicht!

Alles Liebe
Eta Carina



Hello

It took me a little longer to make this post about my undergown for the new medieval dress. As an apology I added some photos of the medieval fair in Lucerne, where I first wore it. But let's talk about the dress first:
The undergown has more or less the same cut as the dress itself, but it's laced at the front instead of the sides and has long sleeves. What's more, I wanted the sleeves to be detachable, in case I want to combine the undergown with other (future) dresses or for when it gets too hot in the summer.
Because the sleeves where separate, I needed a lot of hem facings: For the neckline, on the sleeves and the arm holes.

I used a blanket stitch along the edges of the sleeves and the arm holes. Then I put a crocheted cord through it to tie dress and sleeves together.

On the sixth picture you can see me wearing the complete outfit. I may not look like it on the photo, but I'm quite happy with the result!

And how was the medieval fair itself? Well, first it was cold, then warm, and all in all very nice! This year, I even had some time to walk around and take some pictures. If you want to see more, go to the gallery at www.mittelaltermarkt-luzern.ch, there are loads of photos!

And now I really have to stop writing. Next week is the Fantasy Basel and my new costume is still far from "nearly finished".

Love
Eta Carina


Montag, 4. April 2016

Neues Mittelalterkleid

Seid gegrüsst!

Pünktlich zum Mittelaltermarkt habe ich mein neues Kleid fertig. Die Vorbilder für das Kleid könnt ihr in meinem letzten Post sehen.

Die Arme in die Seiten gestemmt, damit man die Ärmel auch schön sieht!
Kleid: selbstgenäht
Haarnetz: http://www.die-netzerin.de
Schuhe: http://www.allerley.ch
Gürtel: http://new.armourandcastings.com

Die Grundform für die Ärmel habe ich auf der stets zuverlässigen Internetseite Flinkhand gefunden (http://www.flinkhand.de/index.php?gewand_surcot). Ansonsten habe ich ein eigenes Schnittmuster anhand meiner Körpermasse gezeichnet. Auf dem übernächsten Bild seht ihr die Vorderseite mit zwei eingesetzten Geren (die Dreiecke), die dem Kleid seine Weite geben.

Geren

Das Kleid wird an den Seiten zusammengeschnürt. Die Löcher habe ich umstickt, damit sie stabil bleiben:


Wie ihr vielleicht noch von meiner Recherche wisst, haben solche Kleider häufig schmale Zierstreifen an den Säumen. Ich habe dafür keine Borte gemacht, sondern gestickt. Es handelt sich um eine Mischung aus Klosterstich und Kreuzstich: Ich habe einen grünen Wollfaden auf den Stoff gelegt und mit dem weissen Faden festgestickt. Das Resultat gefällt mir sehr gut, die Stickerei ist plastischer, als wenn ich nur mit weiss gestickt hätte. 

 

Einige Worte zum Ärmel-Füttern:
Füttern ist schwierig. Also nicht die Ausführung, aber die Logik dahinter. Mein erster Versuch wäre nur dann brauchbar, wenn man auf jeder Seite zwei Oberarme hat. Die in jeweils einen Unterarm münden. Und die Hände im Ärmel verpackt bleiben. Schliesslich hatte ich es dann aber geschafft. Ich kann zwar immer noch nicht in Worte fassen, was man Schritt für Schritt machen muss und wieso, aber falls ihr auch mal solche Ärmel nähen wollt, hoffe ich, dass wenigstens die Fotos ein bisschen weiterhelfen.

1. Versuch (gescheitert)

Die linken Seiten richtig zusammengenäht

Sucess!

Nachdem die Ärmel genäht waren, ging der Rest dann fast von alleine. Passend zum Kleid gibt es noch ein Unterkleid, das in wenigen Tagen folgen wird.
Bis dann alles Gute
Eta Carina



Greetings!

Just in time for the medieval market I finished my new dress. You can see the examples for it in my last post.
I found the basic shape for the sleeves on the ever reliable web page Flinkhand. For the rest I had to draw my own pattern from my body measures. The third picture from above shows the front side with two gores (triangles). The gores determine the with of the dress.
The dress is laced on the sides. I used a buttonhole stitch to secure the eyelets.
As you might remember, the dresses I found during my research had small stripes down the borders of the dresses. I stitched them (instead of tablet weaving). The stitching is done in some sort of mix between surface couching and cross-stitch: I laid a green thread on the fabric and stitched it in place with a white thread. I like the result, as the underlying thread makes the whole ornament slightly three-dimensional.
A few words on lining the sleeves: It's difficult! And I mean not so much the execution but the logic behind it. My first try failed, unless if I had two upper arms per side, ending in one arm with the hands hidden inside the sleeves. In the end I worked out how to do it, but I still can't really explain it. But if you choose to one day sew such sleeves I hope the pictures might help at least.
After finishing the sleeves the rest was a lot easier. There's an undergown for this dress as well, which I'll upload in the next few days.

Until then I wish you well
Eta Carina

Donnerstag, 31. März 2016

Sexy. Badass. Medieval!

Guten Abend

Verzeiht mir den reisserischen Titel, aber den konnte ich mir nicht verkneifen. Ich wollte ihn auch nicht übersetzen, weil er so einfach schmissiger rüberkommt. Jedenfalls möchte ich heute über die Recherche zu meinem neuen Mittelalterkleid schreiben, und die begann eigentlich ganz unspektakulär:Vor etwa einem Jahr bekam ich ein wunderschönes Haarnetz geschenkt. Ich begann darum nachzulesen, zu welchen Kleidern man im Mittelalter Haarnetze trug. Auch wollte ich, dass mein nächstes Mittelalterkleid hitzesommertauglicher wird als das, was ich im Moment habe.
Vor allem für das Spätmittelalter und die Renaissance findet man viele Bilder von Haarnetzen, aber meistens waren die sehr aufwändig gemacht, mit Goldreifen, Schleiern und anderem Zierrat, dabei suchte ich eher nach schlichten Exemplaren. Schliesslich landete ich beim Stundenbuch von Taymouth. Dies stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist reich illustriert. Die abgebildeten Frauen sind aber nicht wegen ihrer Haarpracht bemerkenswert, sondern weil sie auf der Jagd sind und dabei nicht gerade zimperlich vorgehen. Zu den harmloseren Darstellungen zählen das erfolgreiche Fallenstellen und das Jagen mit Pfeil und Bogen. Die Damen lassen aber auch ihre Falken auf das Wild los und verfüttern Eingeweide an ihre Jagdhunde.

Das Buch wurde von der British Library digitalisiert
(die Ausschnitte auf diesem Blog sind von mir gemachte Screenshots von der Website):
http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=yates_thompson_ms_13_fs001r







So sehr mich diese Darstellung von Gewalt auch erfreut, wir müssen uns auf die Kleidung konzentrieren. Und die hat einige typische Merkmale: Die Haare werden seitlich hochgesteckt und unter einem Haarnetz getragen. Die Kleider haben ellbogenlange Ärmel mit "Zipfeln" dran. Die Unterkleider haben enganliegende Ärmel. Der Ausschnitt ist sehr weit, er scheint z.T. fast über die Schultern zu gehen. An Ausschnitt, Saum und Ärmeln sind schmale, helle Zierstreifen.

Christine de Pizan im Studierzimmer, Le Livre de la Cité des Dames, Harley MS 4431 fol. 4r ca. 1410
Und wir bleiben bei Frauen, die das "holde Maid"-Klischee sprengen: Meine weitere Suche führte mich zu Christine de Pizan. Sie war eine französische Schriftstellerin im Mittelalter. Ihr bekanntestes Werk ist "La Cité des Dames": Die Hauptfigur (Pizan selbst) ist empört über einen frauenfeindlichen Text eines Zeitgenossen, worauf ihr die drei Tugenden erscheinen. Mit deren Hilfe erbaut sie die titelgebende Stadt der Frauen. Aber ich schweife schon wieder ab! Eben, die Kleidung: Obwohl hier das Haarnetz fehlt, haben wir auch hier wieder die "Zipfel-Ärmel" (der Fachbegriff ist, glaube ich, Eselsohrärmel) und der weite Ausschnitt (obwohl man bei genauem Betrachten sieht, dass das weisse Unterkleid hochgeschlossen ist). Das Kleid hier ist noch figurbetonter. So auch bei diesem Bild aus dem selben Buch:

Hippomenes und Atalante, Le Livre de la Cité des Dames, Harley MS 4431 fol. 128, ca. 1410
Und zum Abschluss nochmals ein Bild mit Haarnetz, diesmal aus dem Alexanderroman:
Jean de Grise, Alexanderroman, Bodley MS 264 fol.101, 1338-1344
Das ist also das Kleid, an dem ich im Moment arbeite: Ein figurbetontes Kleid, wie man es im 14. Jahrhundert oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts getragen hat, mit weitem Ausschnitt und Eselsohrärmeln. Bis bald also!
Eta Carina

Fussnote 1: Auch Christine de Pizans Buch wurde von der British Library digitalisiert:
http://www.bl.uk/manuscripts/SetupViewerHandler.ashx?ref=harley_ms_4431_f001r

Fussnote 2: Folgende Seite hat sich im Detail mit dem spätmittelalterlichen Hals-Ausschnitt beschäftigt. Dort findet ihr auch noch mehr Beispiele für die speziellen Ärmel und Frisuren zu der Zeit:
http://cottesimple.com/fitted-dress/fitted-dress-neckline/

Fussnote 3: Meine Pinterest-Sammlung zum Kleid:
https://www.pinterest.com/carinasarmoire/14-jahrhundert/


Good evening

Sorry for that lurid title, I just couldn't resist. However, today's post really is just about the research for my new medieval dress, which started quite simple: About a year ago I received a truly beautiful hair net. So I started reading about dresses which would go well with it. Additionally, I wanted my next dress to be more comfortable in warm weather. 
You can find many hair nets in late medieval and renaissance pictures., but those where mostly very intricate, with hoops and veils and other ornaments, whereas I was searching for something simpler. At last I found the Taymouth hours. It's a 14th century hour book with rich illustrations. But the women depicted aren't so outstanding for their hair, but because they are shown on a hunt. The more harmless pictures show them building traps or shooting arrows. But you can also see them at falconry and feeding the wild animals' entrails to their dogs.

The book was digitalized by the British Library
(the details shown here are screenshots made by me):
http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=yates_thompson_ms_13_fs001r

Although I would like to dwell on that violence for longer, we must focus on the clothing. There are some characteristics: The hair is worn to the sides in hair nets. The dresses' sleeves go down to the elbow and end in tippets. The underdresses have long tight sleeves. The neckline is very wide, it sometimes seems to even go over the shoulders. There are narrow, bright lines around neckline, seam and sleeves.

Now, let's stay with not so typical medieval women for a little longer: My further search lead me to Christine de Pizan. She was a french author in the late medieval era. Her most famous book is "the Book of the City of Ladies": The main character (Pizan herself) is enraged by a not very women-friendly text by another author, whereupon he three virtues appear. She builds the titular City of Ladies with them. But I digress! The clothes: The hair nets are missing here, but again we have the tippets and the wide neckline (although you can see a high-necked underdress too). The dress is even more fitted. Like on the second picture of the same book. The last picture is from the Alexander Romance. It shows another similar dress, but again with hair net.

So this is the kind of dress I'm currently working on: Fitted, from the 14th/early 15th century, with a wide neckline and tippet sleeves. So see you soon!
Eta Carina

Footnote 1: Christine de Pizans Buch was also digitalized by the British Library:
http://www.bl.uk/manuscripts/SetupViewerHandler.ashx?ref=harley_ms_4431_f001r

Footnote 2: There's an in-depth article about the late medieval neckline on this website. There are also excellent examples of the specific sleeves and hairdos of that time:
http://cottesimple.com/fitted-dress/fitted-dress-neckline/

Fussnote 3: My Pinterest-board about the dress:
https://www.pinterest.com/carinasarmoire/14-jahrhundert/



Montag, 22. Februar 2016

Belle Epoque-Woche in Kandersteg

Guten Abend

Bald einen Monat ist's her, als in Kandersteg Ende Januar die Belle Epoque-Woche stattfand. Ich hatte mir für den Anlass ein Kostüm genäht, das ich nun spazieren führte. Dominik lieh seine Kleider vom Luzerner Theater. Wir waren zwei Tage in Kandersteg, am Freitag und Samstag.

1. Tag: Ankommen und Abendessen
Wir kamen am frühen Nachmittag an und verbrachten den Rest des Tages sehr gemütlich damit, das Hotelzimmer zu beziehen, durch das Dorf zu schlendern und etwas zu essen. Mir gefällt an den Belle Epoque-Tagen sehr, wie wirklich das ganze Dorf mitmacht und viele Sachen in den Läden und Hotels präsentiert werden, wie zum Beispiel die Ausstellung von Jean Playfair Evans. Am Abend gingen wir ins Hotel Ermitage essen. Das Hotel ist ein bisschen ausserhalb, wodurch wir einen schönen Spaziergang unter den Sternen hatten.



2. Tag: Lolitas und Leckerbissen
Gegen Mittag kamen die Lolitas mit dem Zug an. Wir besuchten die Hut-Ausstellung, schlenderten abermals durch's Dorf und machten Fotos. Einige davon könnt ihr auf Süssings Blog sehen!
Danach verabschiedeten wir uns von Dominik und machten uns auf zum Hotel Doldenhorn, wo Afternoon Tea serviert wurde. Dazu fand auch eine Modeschau statt, organisiert von Pat's Uniform und Kostümverleih. Dieser Laden war mir schon an der Fantasy Basel aufgefallen, wo sie einen Fotostand hatten. Sie zeigten einige wirklich wunderbare Kostüme! Nach der Modeschau fand auch die Prämierung des besten Hutes statt. Ich fühlte mich ein klein wenig nackt unter meinem zwar grossen, aber ganz und gar undekorierten Hut. Na, aber "Hut beladen", das kommt auf die To-do-Liste für nächstes Jahr!

Foto: Lea

Nachspiel: Wenn du es selbst an- und ausziehen kannst, ist es nicht ladylike genug
Während dieser zwei Tage bekam ich ein bisschen ein Gespür dafür, wie es gewesen sein muss, in den damaligen Kleidern herumzulaufen. So brauchte ich Hilfe, um das Oberteil auf- und zuzumachen und auch die Frisur brauchte, obwohl unter dem Hut versteckt, einige Zeit. Schwierigkeiten hatte ich aber erst, als ich am Samstag Abend daheim ankam: Ausser mir war niemand zu Hause, der mir aus meinem Kleid helfen konnte und langsam war es mir doch unbequem geworden! Freunde oder Bekannte, die in der Nähe gewohnt hätten, waren entweder nicht erreichbar, nicht in der Stadt oder dann war es mir zu peinlich, sie anzurufen. Ich musste mir also selbst helfen. Schliesslich trennte ich die Ärmelnähte ein Stück weit auf. Erst dadurch bekam ich überhaupt genügend Bewegungsfreiheit, um längere Zeit an den Ösen herumzufummeln, so dass ich mich schliesslich doch noch befreien konnte. Ich muss sagen, solche Sorgen dürften heutzutage doch eher selten sein.

Gute Nacht
Eta Carina


Good Evening

It's been about a month now that we've been to the Belle Epoque Week in Kandersteg. I had sewn costume for the occasion, which I could finally wear now. Dominik rented his clothes from the Luzerner Theater. We we're there for two days, on Friday and Saturday. 

Day 1: Arrival and dinner
We arrived in the early afternoon and spent the day in a quite lazy way, going to the hotel, walking through the village and eating. I really like how the whole village takes part in the event. A lot of things are displayed or take place inside the different shops and hotels, like the exhibition about Jean Playfair Evans for example. In the evening we went to dinner at the hotel Ermitage. The hotel is a little bit out-of-the-way, which made for a nice evening walk.

Day 2: Lolitas and delicacies
Around noon the next day the Lolitas arrived. We visited an exhibition about hats, strolled through the village once more and took photos. You can see some of them on Süssings Blog! Sadly, Dominik had to leave then. Now it was about time to go to the Hotel Doldenhorn, where they served Afternoon Tea. There was also a fashion show, organized by Pat's Uniform und Kostümverleih. I had heard the name before because they also where at the Fantasy Basel and they showed some stunning costumes! After the show there was a contest for the best Belle Epoque hat. I felt a little bit naked, in fact wearing a hat, but a totally undecorated one! Well, this is definitely a task for next year.

Encore: If you can pull it on and off yourself, it's not ladylike enough
During those two days I learned how it might have been to wear such clothes regularly. I needed help to open and close the hooks and eyes on my bodice and my hair, although hidden underneath a hat, took quite some time as well. But things only got really complicated in the end. When I arrived home on Saturday night I realised there was no-one at home who could help me get changed. And the clothes started to feel quite uncomfortable! Of the people who lived nearby there was either nobody at home or I was too embarrassed to call, so I had to solve the problem myself. In the end, I cut the seams of the sleeves open so I could move just enough to open the hooks. Finally, I was free again. Well, you don't get such problems too often nowadays.

Good night!
Eta Carina

Montag, 25. Januar 2016

Belle Epoque: Taille und Rock

Ihr Lieben

Es ist wieder mal Kamillentee-Zeit (Bedeutet: Ich bin erkältet). Trotzdem habe ich endlich meine Kleidung für Kandersteg fertig genäht. Und zumindest das ist doch schon ein Grund zur Freude.

Der Schnitt
Nach einer recht langen Recherchephase hatte ich mich für einen Schnitt aus dem Buch "59 Authentic Turn-of-the-Century Fashion Patterns" von Kristina Harris entschieden. Das Modell stammt aus dem Jahr 1890. Es handelt sich, wie übrigens die meisten Damenkleider, die man aus der Zeit sieht, nicht um ein richtiges Kleid! Stattdessen besteht das Outfit aus einem Oberteil, der sogenannten Taille und einem Rock, die aber eine Einheit bilden. Das Schnittmuster, an dem ich mich orientierte, hat enganliegende Ärmel, kleine Puffärmel und einen Stehkragen. Die Brustpartie ist gerüscht, der Rock besteht aus einem ebenfalls gerüschten Oberrock und einem dunkleren Unterrock. Dazu trägt die Frau im Bild einen V-förmigen Gürtel, der aber im Schnittmuster nicht vorkommt.
Das Schnittmuster musste ich von Hand vergrössern. Ich hielt es für schlauer, erst mal ein Probestück aus Reststoffen zu nähen und damit zu prüfen, wie alles passte.

Vorlage
Schnittmuster zeichnen

Das Modell

Dabei stellte ich fest, dass das Oberteil etwas kurz war. Also verlängerte ich es. Es war ausserdem gegen unten zu weit, aber das merkte ich erst später. Ich fand das Oberteil auch etwas zu wuchtig, deshalb nahm ich Spitzenstoff für die Puffärmel, die ich etwas hochraffte, damit sie noch zierlicher aussahen.

Vorderseite
 

 



 
Rückseite
 

 


Kleider zu der Zeit wurden gewöhnlich mit Haken und Ösen geschlossen. Ich machte es mir einfach und benutzte Haken und Ösen-Bänder. Da die aber natürlich die falsche Farbe hatten, nähte ich sie verdeckt ein.


Ärmel

Einzelteile der Ärmel

Oberärmel

Der Rock
Der Rock besteht aus zwei schmalen Seitenteilen, einem eher breiten Vorderteil und einem seeehr weiten Rückenteil, das zusammengerafft wird. So hat man hinten noch mehr Volumen, was die S-förmige Silhouette unterstützt, die zu der Zeit angesagt war.
Anfangs wollte ich den Rock ebenfalls mintfarben machen. So hätte das Ganze auch mehr wie aus einem Guss gewirkt. Auch bei meinen Beispielen aus der Recherche waren jeweils Rock und Taille Ton in Ton. Aber jedesmal, wenn ich die Stoffe um mich wickelte, um mir das Endprodukt besser vorstellen zu können, gefiel mir der petrolfarbene Stoff einfach besser. Ich verzichtete auch auf eine zweite Rockschicht. Dafür nähte ich Biesen und eine grosse Rüsche an.

 

 
Das Kleid ist als eher formelles Dinner dress gedacht; zu glitzerig für am Tag, aber trotzdem noch hochgeschlossen. Ich bin recht unsicher, weil diese Epoche für mich ganz neu ist, aber ich denke, es ist doch recht gut herausgekommen. Was nun noch fehlt ist ein Unterrock, damit der Rock mehr ausschwingt. Ausserdem bin ich gerade dran, passende Accessoires zusammenzuplündern. Ich bin darum selber gespannt, wie sich das Gesamtbild bis Ende Woche präsentieren wird.

Alles Liebe und vielleicht bis in Kandersteg
Eta Carina


P.S.: Einige Worte zur Silhouette
Ich habe einige Zeilen weiter oben schon die S-Silhouette angesprochen, die von der Mode während der Belle Epoque angestrebt wurde: Brust und Gesäss bilden ausgeprägte Kurven, während der Bauch möglichst flach sein soll. Zusätzlich soll die Taille möglichst schlank daherkommen, die Hüfte sind ausladend. Bekanntlich wurde dies durch ein Korsett erreicht. Ich habe lange hin und her überlegt, und bin schliesslich zum Schluss gekommen, zumindest für dieses Mal darauf zu verzichten. Abgesehen von meinen Bedenken, ob ich das Abendessen so geniessen könnte, stand auch ausser Frage, dass ich mir schnell-schnell ein gutes Korsett hätte nähen können. Eines kaufen wollte ich auch nicht, da ein heutiges Korsett der damaligen Form auch nicht genau entspricht. Kurz gesagt: Korsette sind eine Welt für sich und würden eine vertiefte Auseinandersetzung brauchen.





Good evening my dears

It's camomile tea season again (means I have a cold). Nevertheless I finally finished my dress for Kandersteg. And now, that's a reason to be happy.

The cut
After researching for quite some time I decided for a cut from the book "59 Authentic Turn-of-the-Century Fashion Patterns" by Kristina Harris. It's a ladies' costume from 1890. Like most costumes from the Belle Epoque, this isn't a real dress! It's a separate bodice and a skirt, which looks like one single dress. The pattern I used has narrow sleeves, small puff sleeves and a high collar. The breast part is ruffled, as is the upper part of the skirt (there's a darker underlying skirt too). The woman on the illustration also wears a v-shaped belt, but this wasn't part of the pattern.
I enlarged the pattern by hand. As I wasn't sure how it would fit, I first made a test piece from leftover fabric. The test bodice was actually a bit too short. It was also too wide at the bottom, but I only noticed that later. Moreover the puff sleeves where too bulky for my taste, so in the final bodice I used lace fabric and sewed them higher up than usual to make them even smaller.

The skirt
The skirt consists of two narrow side parts, a wide front part and a veeeery wide back part, gathered together. Like this the back part becomes more voluminous, which helps to achieve the S-bend silhouette, which was fashionable at the time.
Initially I wanted the skirt to be mint-coloured, like the bodice. This would have helped creating the illusion that the whole thing was only one piece. All the examples from my research seem to be of one colour as well. But every time I would wrap the fabrics around me to see how the end product would look, I just preferred the darker fabric. I also left out the second layer of the skirt, but sewed some tucks and a big ruffle instead.

I think of my costume as a rather formal dinner dress; too shiny for wearing it at day, but very modest. I'm feeling a little bit insecure, because this period is all new to me, but I like the result quite well. Now I still have to sew a petticoat, to get a fuller skirt. I'm also combing through the shops for adequate accessories. I'm really curious how the whole outfit will turn out by the end of the week!

All the best and maybe see you at Kandersteg
Eta Carina

P.S.: A few words about the silhouette
A few lines above I was talking about the S-bend silhouette, which women of the Belle Epoque where trying to achieve: Breast and bottom where emphasized while the belly was supposed to be flat. The waist was very slim, while the hips where wide and round. Of course this was achieved by wearing a corset. I thought about it long and hard and decided, at least for now, against wearing a corset. Besides worriyng if I could enjoy dinner I simply wouldn't have had the time to make a good corset (or even boning for the bodice) in such a short time. I also didn't want to buy one, because not every corset gives the "right" shape. In short, corsets are a whole universe in themselves and I didn't feel like I could "dive" into it just now.