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Sonntag, 24. Juni 2018

Ausstellung "Fashion Drive" in Zürich

Guten Tag

Aktuell und noch bis am 15. Juli läuft im Kunsthaus Zürich die Ausstellung "Fashion Drive - Extreme Mode in der Kunst". Das gingen wir uns natürlich anschauen.

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und fängt mit einer speziellen Ritterrüstung an.
Der rockförmige Harnisch gehörte Albrecht, Marktgraf von Brandenburg, und war reine Zier. Er setzt den Ton für die Ausstellung: Aufwändige, auffällige, aussagekräftige Kleidungen.

Harnisch


Danach geht es weiter zur Renaissance. Wir lernen, dass die Leute es damals schon cool fanden, vollauf intakte (und unglaublich teure!) Stoffe aufzuschlitzen. Und dass die Männer damals gerne ihre Intimgegend betonten.

Einfach nur teurer Brokat ist sooo langweilig, her mit der Schere! William Larkin: "Portrait of Diana Cecil", 1614-1618. Quelle: http://www.kunsthaus.ch/fashion-drive

Natürlich durfte auch der Rokoko nicht fehlen, vertreten durch eine wunderschöne Robe à la Française. Der Stoff ist reich bestickt und über und über mit Rüschen verziert.

Robe à la Française (à grand panier), um 1765. Quelle http://www.kunsthaus.ch/fashion-drive

Robe à la francaise (Detail)

Zu der Zeit, als wir die Ausstellung besuchten, arbeitete ich an meinem Gentleman-Cosplay. Da traf es sich perfekt, dass auch eine Menge Kniebundhosen und Fräcke ausgestellt waren. Denn auch das macht die Ausstellung klar: Mode war keine Frauensache. Vom Anfangs erwähnten Waffenrock über Gala-Uniformen bis zu den "Macaronis" und "Incroyables" (18. Jahrhundert) und schliesslich den Dandys benutzten Männer die Mode, um ihren Status zu zeigen, sich von anderen abzuheben, oder sich einfach auszudrücken. Der Einheitsbrei der heutigen Männer hingegen ist eine relativ neue Erscheinung.

Unbekannter Künstler: "le suprême bon ton No 8", um 1802
"Incroyables"-Anzug um 1795

Staatsfrack und Weste um 1815


In einer Ecke versteckt war dann ein weiteres Frauenkleid, diesmal vom frühen Modedesigner Charles Frederick Worth:

Detail

Danach näherte sich die Ausstellung in grossen Schritten der Gegenwart. Meine Lieblingsstücke im 20. Jahrhundert waren die Handschuhe der Künstlerin Meret Oppenheim und das Skelettkleid der Modeschöpferin Elsa Schiaparelli.

Meret Oppenheim: "Handschuhe", 1985
Kopie von Elsa Schiaparellis Skelett-Kleid, 1938. Hier wird das Kleid als Teil von Mai-Thu Perrets Kunstwerk "flow my tears" (2011) verwendet.

















Und wie steht es um die Mode heutzutage? Nun, eine mögliche Antwort dazu ist Michelangelo Pistolettos "Metamorfosi". Durch einen Spiegeltrick verwandelt sich ein Kleiderhaufen beim Vorbeilaufen von weiss zu bunt. Das ist ein faszinierendes optisches Spiel. Gleichzeitig ist das einzelne Kleidungsstück in der Masse bedeutungslos, der riesige Kleiderhaufen erinnert an Überfluss und Wegwerfmentalität. Und zur Hälfte ist das Ganze nur Schein. Aber weil das dann doch ein zu pessimistischer Abschluss gewesen wäre, gibt es auch eine Menge Fotos von selbstbewussten Models, Bilder von Leuten in Freizeit- und Berufskleidern und am Schluss ist man wieder, wo man angefangen hat, beim Ritter mit dem Stahlrock.

Michelangelo Pistoletto: "Metamorfosi", 1976 - 2016


Eine spannende Ausstellung also, bei der es viel zu Entdecken gibt. Und nun habe ich, anstatt eines richtigen Schlusswortes, nur noch diesen Bildausschnitt:

Detail von Joseph Heintz d.Ä.: "Erzherzog Maximilian Ernst (1583 - 1616) mit Jagdhund", 1604


















Frohe Ostern
Eta Carina




Hello

At the moment and until the July 15th there's an exhibition at the Kunsthaus Zürich called  "Fashion Drive - Extreme Clothing in the Visual Arts". And of course we went there.

The show is structured chronologically and it starts with a special knight's armour. It is shaped like a skirt and belonged to Albrecht, Margrave of Brandenburg and was probably just decoration. It sets the tone for the following pieces: elaborate, eye-catching clothes that send a statement.

The next part was about the renaissance era. Here we learned that even then people thought it was cool to slash fabrics that are expensive as hell and in perfect condition. And that men liked too accentuate their genitals.

When making a show about fashion history you can't do without the rococo era. And they had a really lovely robe à la Française, with richly embroidered fabric and a lot of ruffles.

At the time we visited the exhibition I was working on my Gentleman-Cosplay. So I was glad to see a bunch of knee breeches and tailcoats. This is another message of the show: Fashion is not only a women's thing. From the armour at the beginning to gala uniforms to the "Macaronis" and "Incroyables" in the 18th century and the dandies later, men used fashion to show their status, to set themselves apart from others or to just express themselves. The boring men's fashion of today is a relatively new thing.

Hidden in a corner was another dress, this time from early fashion designer Charles Frederick Worth.

After this came the modern age. My favourite pieces here where the gloves of artist Meret Oppenheim and the skeleton dress of fashion designer Elsa Schiaparelli.

And what about fashion in the present days? Well, one possible answer comes from Michelangelo Pistolettos "Metamorfosi". A mirror lets a pile of clothes change from white to colour when you walk by. It's a fascinating optical illusion. But at the same time, the single pieces of clothing lose their meaning, they drown in the mass. The pile is reminiscent of overabundance and throw-away mentality. And half of what you see is just an illusion. But this would be a rather pessimistic note to end on, so there's also photographs of strong models, people in their leisure- and working clothes, more art and then the exhibition lead us to where we started, to the knight with the steel skirt.

It is an exciting exhibition, with lots of things to discover. And now, instead of some real closing words, here's a detail of another painting, where the words "archduke of Austria" is shortened in such a way that it says "archduke of easteregg" (yeah, it's only funny in German. I'm sorry).

Nevertheless, kind regards
Eta Carina



Mittwoch, 10. August 2016

Prag - Retro

Hallo

Ahm. Lange nicht mehr gesehen, was? Tatsächlich hatte ich vor den Sommerferien nicht mehr wirklich die Energie, um zu bloggen. Aber mittlerweile bin ich erfolgreich weitergebildet, erholt und mit vielen Fotos zurück aus den Ferien.
Dominik und ich fuhren mit dem Fahrrad von Berlin nach Prag. Unterwegs zelteten wir. Und obwohl es natürlich auch von der Tour selbst ganz viel zu erzählen gäbe, versuche ich wieder mal, beim Motto dieses Blogs zu bleiben: "Textiles, Time Travelling and D.I.Y." Und deshalb geht es hier alleine um Prag.

"Praha"(Divadlo Viola)

Der Titel "Prag - Retro" bezieht sich in erster Linie auf die Ausstellung "Retro", die im Nationalmuseum gezeigt wird. Zu sehen sind Kleidungsstücke, aber auch Spiele und Accessoires. Von 1989 anfangend, geht die Ausstellung zurück bis ins 19. Jahrhundert und zeigt verschiedene vergangene Modestile und weitere Einflüsse auf die Mode. Dabei ist das Ganze aber nicht einfach eine Lektion in Modegeschichte: Die Hälfte aller Exponate sind aus der heutigen Zeit, aber von der Vergangenheit inspiriert! Es war spannend zu raten, welches Stück jeweils das "Original" war. Die Ausstellung geht ausserdem speziell auf die tschechische Geschichte ein: Modelle hier waren oft schlichter oder im Vergleich zu anderen Ländern leicht veraltet, da das Land kommunistisch regiert war. Auch die neueren Ausstellungsstücken konzentriert sich auf tschechische Designer und Designerinnen. Mein Lieblingsstück ist dieses graue Kleid von Monika Drápalová: Es ist im Schnitt den 50er-Jahren nachempfunden, aber besteht aus speziellem Polyesterstoff, das es angenehm zum Radfahren machen soll. Das wäre interessant für unsere Tour gewesen! Allgemein war die Ausstellung klein, aber mit vielen hübschen Exponaten.

Kleid "pro BB" von Monika Drápalová, für "Free Circle"
Welches ist denn jetzt das Modell aus den 60ern?
Kleid im Stil der 20er-Jahre von Jana Minaříková
Kleid um 1850-1860
Kleid von Georges Hobeika, das die bodenlangen, weiten Röcke des 19. Jahrhunderts wieder aufnimmt.
Ich entdeckte auch ein Burda-Magazin.
Diese scheinen auch in der damaligen Tschechoslowakei beliebt gewesen zu sein.
Verschiedene Accessoires aus diversen Epochen
Oldtimer-Fahrbekleidung, nach einer alten Fotografie nachgeschneidert
Wenn wir schon bei der Eleganz vergangener Zeiten sind: Prag ist wirklich wunderschön. Und eine Überforderung für das Auge. Überall sieht man Türmchen, Erker, Balkone, Schnörkel (ganz zu schweigen von den vielen Menschen!) Rundum vermischen sich Gebäude aus verschiedensten Epochen und man kommt aus dem Schauen nicht mehr heraus. Ich habe versucht, Fotos zu machen:







Sogar die Lampen haben manchmal Kronen...
Bei all der Pracht hatte ich während der paar Tage, die wir in Prag waren, aber wenige Läden gesehen, die mir gefallen hätten. Ich war schon ein wenig enttäuscht, als wir am letzten Tag ganz in der Nähe unseres Hostels einige weisse Marktstände sahen. Vor dem Nationaltheater war ein Design-Markt. Durch Gespräche fanden wir heraus, dass der Markt etwa viermal im Jahr stattfindet und die Sachen von den Designerinnen und Designern handgemacht werden. Wir verbrachten den ganzen Morgen damit, durch den Markt zu stöbern. Die Waren der verschiedenen Stände ähnelten sich zum Teil: Angesagt waren viele verspielte Kleider, Tier-, Fahrrad- und Seefahrtsmotive, Punkte und Streifen, Ballon- und Tellerröcke (Man könnte schon fast sagen, die Designs waren retro... ^-^). Ich kaufte dann am Schluss aber eher schlichte Sachen: einen Bleistift-Rock mit auffälligen Taschen, ein T-Shirt mit Pusteblumen-Print und eine süsse (und wichtig: grosse!) Tasche. Daheim habe ich sie dann gleich fotografiert.

Leider sind die Internetseiten des Marktes und der Designer alle auf tschechisch, was es für mich schwierig machte, weitere Informationen zu bekommen, aber man kann sich ja auch einfach die Bilder anschauen :-)
Der Markt: http://www.dyzajnmarket.com
Naše věci:https://www.facebook.com/naseveci.brno
Faerie: http://www.faerie.cz/shopik/
Natyris: https://www.facebook.com/natyris.design/

Der Markt vor dem Nationaltheater
Rock von Naše věci
Tasche von Faerie
T-Shirt von Natyris
Mit diesen Fotos von zurück daheim verabschiede ich mich. Bis hoffentlich bald wieder!
Eta Carina


Hello

Ahm. So, long time not seen, huh? Actually I didn't have the energy to blog in the weeks before summer holidays. But in the meantime, I sucessfully received my CAS, relaxed a bit and got back from holidays with lots of pictures.
Dominik and I went from Berlin to Prague by bike. On the way we slept in a tent. Although the tour itself would be interesting to write about, I will as usually try to stick to my blogs' motto: "Textiles, Time Travelling and D.I.Y." More or less in that order, even! And that's why I'm only writing about Prague.

The posts title "Prag - Retro" mainly refers to the exhibition "Retro", which is on display in the National Museum. They mainly show garments, but also toys and accessories. Beginning in 1989, the exhibition traces back the history of fashion until the 19th century. But it isn't simply a history lesson: Half of the exhibits are from present days which are only inspired by former decades! It was fun to guess which ones might be the "originals". Furthermore the show also pays attention to Czech history: Here, trends where often toned down or delayed due to the country being under communist government. The contemporary samples are also mostly of Czech designers. My favourite piece was  from Monika Drápalová: The dress is inspired from the 50ies, but made of special polyester, which makes it especially comfortable for cycling. I would have loved to try this for our tour! The exhibition was overall small but with many beautiful samples.

Speaking of elegance long gone by: Prague is really gorgeous. It is almost too much to take in: There are turrets, jutties, balconies and ornaments all over (and lots of people too!). Everywhere buildings of different ages mix and you can discover new things every time you look. I tried to take some photographs.

But with all the magnificence I had seen only very few shops that appealed to me. I was already beginning to feel a little dissappointed. Then, on our last day, we noticed some white booths near our hostel. In front of the National Theatre was a design market. We spoke to the people there and heard it takes place around four times per year. The designers make all their products themselves. We spent the whole morning walking through the market. Many things where resemblant, there was a trend towards playful designs, animal-, bicycle- and navymotifs, dots and stripes, ballonskirts and gathered dresses (dare I say the designs where rather... retro? ^-^). In the end, however, I stuck with rather simple pieces: A T-Shirt with dandelion print, a pencil skirt with eye-catching pockets and a very cute (and important: big!) bag. At home, I took some photos of the things.
Sadly the internet sites of the market and the designers are all in Czech language only, which made it difficult for me to get further information. But of course one can always just look at the pictures :-)

The design market: http://www.dyzajnmarket.com
Naše věci:https://www.facebook.com/naseveci.brno
Faerie: http://www.faerie.cz/shopik/
Natyris: https://www.facebook.com/natyris.design/

So, with photos from back home again, I say goodbye for now. Hope too see you soon!
Eta Carina

Dienstag, 24. Februar 2015

Rom und viele, viele Kleider


Hallo zusammen

Es ist schon ein Weilchen her! Ich war einige Tage in Rom. Und zufällig sah ich im MAXXI eine Ausstellung, die hier gut hineinpasst. (MAXXI ist die Abkürzung von "Museo nazionale delle arti del XXI secolo": Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts. Clever, nicht?)
Die Ausstellung hiess Bellissima und zeigte italienische Mode von 1945 bis 1968. Voluminöse Röcke! Schmeichelhafte A-Linien! Fliessende Stoffe, Stickereien und Tüll! Wie ihr euch denken könnt, waren das genau die Art von Kleidern die ich mag.

Kleid von Emilio Schuberth, ca. 1953
Klar doch, so würde ich mit diesem Kleid auch hinsitzen!
Kleid von Sorelle Fontana, inspiriert von Kardinalskleidern.
V.l.n.r.: Valentino, Lorenzo Riva, Sorelle Botti, Sorelle Fontana
Emilio Schuberth, Aurora Battilocchi

Die Kleider waren auf einer Art Laufsteg angeordnet, was sicher passte, aber wohl nicht besonders innovativ ist. Und es gab der Ausstellung eine kühle, nüchterne Athmosphäre. Ich hätte gerne mehr von der Mode-Fotografie gesehen, die nur am Rand erwähnt wurde. Besonders mochte ich die Fotos von Pasquale de Antonis. Er zeigte die Kleider häufig vor Ruinen oder klassischen Gemälden. Das liess die Kleidungen einerseits noch nobler wirken, liess sie aber andererseits manchmal regelrecht verschwinden, weil die Models häufig klein und unbedeutend in der Kulisse wirkten.

Quelle:
http://www.grafica.beniculturali.it/tutti-gli-archivi/mostre/pasquale-de-antonis-2699.html

Quelle: http://www.mywhere.it/pasquale-de-antonis-la-bellezza-del-fotografo-che-non-amava-la-moda/ 

Quelle: http://www.stsenzatitolo.it/elencoart/95 

... Und kaum sass ich im Zug zurück in die Schweiz, las ich in einem Magazin über eine andere Mode-Ausstellung in Rom: Über italienisches Kostümdesign. Aaaww man!
http://en.museodiroma.it/mostre_ed_eventi/mostre/i_vestiti_dei_sogni

Um von diesem Versäumnis abzulenken, schliesse ich mit einigen wahllosen weiteren Fotos aus unseren Ferien:

Spielzeuggeschäft, Piazza Navona

Petersplatz

Leuchtende Marienstatue
A presto
Eta Carina



Hey there

It's been a while! I spent some days in Rome. And lucky me: there was a beautiful exhibition at the MAXXI (short for Museo nazionale delle arti del XXI secolo: Museum for the art of the 21th century. What smarty-pants!)
The show was called Bellissima and it was about italian high fashion between 1945 and 1968. Voluminous skirts! Flattering A-lines! Flowing fabrics, embroidery and tulle! As you might guess, these where just the kind of dresses that I like.
The Dummies where arranged on some kind of runway, which was adequate, but probably not very innovative. And it gave the show some kind of chilly, prosaic athmosphere. I would have rather seen more of the fashion photography that was merely mentioned in passing. I especially liked the photographs of Pasquale de Antonis. He used to present the dresses in ancient ruins or besides classical paintings. On one hand, this made the dresses seem even more noble, on the other hand it also made them sort of dissappear, because the models where often very small and unimportant compared to the grand settings.
... And as soon as I sat in the train home to Switzerland, I read about another fashion-themed exhibition about italian film-costume making. Aaaww man!
http://en.museodiroma.it/mostre_ed_eventi/mostre/i_vestiti_dei_sogni
To distract you from my failure I'll finish with some random other pictures from our holidays.

A presto
Eta Carina