Mittwoch, 10. August 2016

Prag - Retro

Hallo

Ahm. Lange nicht mehr gesehen, was? Tatsächlich hatte ich vor den Sommerferien nicht mehr wirklich die Energie, um zu bloggen. Aber mittlerweile bin ich erfolgreich weitergebildet, erholt und mit vielen Fotos zurück aus den Ferien.
Dominik und ich fuhren mit dem Fahrrad von Berlin nach Prag. Unterwegs zelteten wir. Und obwohl es natürlich auch von der Tour selbst ganz viel zu erzählen gäbe, versuche ich wieder mal, beim Motto dieses Blogs zu bleiben: "Textiles, Time Travelling and D.I.Y." Und deshalb geht es hier alleine um Prag.

"Praha"(Divadlo Viola)

Der Titel "Prag - Retro" bezieht sich in erster Linie auf die Ausstellung "Retro", die im Nationalmuseum gezeigt wird. Zu sehen sind Kleidungsstücke, aber auch Spiele und Accessoires. Von 1989 anfangend, geht die Ausstellung zurück bis ins 19. Jahrhundert und zeigt verschiedene vergangene Modestile und weitere Einflüsse auf die Mode. Dabei ist das Ganze aber nicht einfach eine Lektion in Modegeschichte: Die Hälfte aller Exponate sind aus der heutigen Zeit, aber von der Vergangenheit inspiriert! Es war spannend zu raten, welches Stück jeweils das "Original" war. Die Ausstellung geht ausserdem speziell auf die tschechische Geschichte ein: Modelle hier waren oft schlichter oder im Vergleich zu anderen Ländern leicht veraltet, da das Land kommunistisch regiert war. Auch die neueren Ausstellungsstücken konzentriert sich auf tschechische Designer und Designerinnen. Mein Lieblingsstück ist dieses graue Kleid von Monika Drápalová: Es ist im Schnitt den 50er-Jahren nachempfunden, aber besteht aus speziellem Polyesterstoff, das es angenehm zum Radfahren machen soll. Das wäre interessant für unsere Tour gewesen! Allgemein war die Ausstellung klein, aber mit vielen hübschen Exponaten.

Kleid "pro BB" von Monika Drápalová, für "Free Circle"
Welches ist denn jetzt das Modell aus den 60ern?
Kleid im Stil der 20er-Jahre von Jana Minaříková
Kleid um 1850-1860
Kleid von Georges Hobeika, das die bodenlangen, weiten Röcke des 19. Jahrhunderts wieder aufnimmt.
Ich entdeckte auch ein Burda-Magazin.
Diese scheinen auch in der damaligen Tschechoslowakei beliebt gewesen zu sein.
Verschiedene Accessoires aus diversen Epochen
Oldtimer-Fahrbekleidung, nach einer alten Fotografie nachgeschneidert
Wenn wir schon bei der Eleganz vergangener Zeiten sind: Prag ist wirklich wunderschön. Und eine Überforderung für das Auge. Überall sieht man Türmchen, Erker, Balkone, Schnörkel (ganz zu schweigen von den vielen Menschen!) Rundum vermischen sich Gebäude aus verschiedensten Epochen und man kommt aus dem Schauen nicht mehr heraus. Ich habe versucht, Fotos zu machen:







Sogar die Lampen haben manchmal Kronen...
Bei all der Pracht hatte ich während der paar Tage, die wir in Prag waren, aber wenige Läden gesehen, die mir gefallen hätten. Ich war schon ein wenig enttäuscht, als wir am letzten Tag ganz in der Nähe unseres Hostels einige weisse Marktstände sahen. Vor dem Nationaltheater war ein Design-Markt. Durch Gespräche fanden wir heraus, dass der Markt etwa viermal im Jahr stattfindet und die Sachen von den Designerinnen und Designern handgemacht werden. Wir verbrachten den ganzen Morgen damit, durch den Markt zu stöbern. Die Waren der verschiedenen Stände ähnelten sich zum Teil: Angesagt waren viele verspielte Kleider, Tier-, Fahrrad- und Seefahrtsmotive, Punkte und Streifen, Ballon- und Tellerröcke (Man könnte schon fast sagen, die Designs waren retro... ^-^). Ich kaufte dann am Schluss aber eher schlichte Sachen: einen Bleistift-Rock mit auffälligen Taschen, ein T-Shirt mit Pusteblumen-Print und eine süsse (und wichtig: grosse!) Tasche. Daheim habe ich sie dann gleich fotografiert.

Leider sind die Internetseiten des Marktes und der Designer alle auf tschechisch, was es für mich schwierig machte, weitere Informationen zu bekommen, aber man kann sich ja auch einfach die Bilder anschauen :-)
Der Markt: http://www.dyzajnmarket.com
Naše věci:https://www.facebook.com/naseveci.brno
Faerie: http://www.faerie.cz/shopik/
Natyris: https://www.facebook.com/natyris.design/

Der Markt vor dem Nationaltheater
Rock von Naše věci
Tasche von Faerie
T-Shirt von Natyris
Mit diesen Fotos von zurück daheim verabschiede ich mich. Bis hoffentlich bald wieder!
Eta Carina


Hello

Ahm. So, long time not seen, huh? Actually I didn't have the energy to blog in the weeks before summer holidays. But in the meantime, I sucessfully received my CAS, relaxed a bit and got back from holidays with lots of pictures.
Dominik and I went from Berlin to Prague by bike. On the way we slept in a tent. Although the tour itself would be interesting to write about, I will as usually try to stick to my blogs' motto: "Textiles, Time Travelling and D.I.Y." More or less in that order, even! And that's why I'm only writing about Prague.

The posts title "Prag - Retro" mainly refers to the exhibition "Retro", which is on display in the National Museum. They mainly show garments, but also toys and accessories. Beginning in 1989, the exhibition traces back the history of fashion until the 19th century. But it isn't simply a history lesson: Half of the exhibits are from present days which are only inspired by former decades! It was fun to guess which ones might be the "originals". Furthermore the show also pays attention to Czech history: Here, trends where often toned down or delayed due to the country being under communist government. The contemporary samples are also mostly of Czech designers. My favourite piece was  from Monika Drápalová: The dress is inspired from the 50ies, but made of special polyester, which makes it especially comfortable for cycling. I would have loved to try this for our tour! The exhibition was overall small but with many beautiful samples.

Speaking of elegance long gone by: Prague is really gorgeous. It is almost too much to take in: There are turrets, jutties, balconies and ornaments all over (and lots of people too!). Everywhere buildings of different ages mix and you can discover new things every time you look. I tried to take some photographs.

But with all the magnificence I had seen only very few shops that appealed to me. I was already beginning to feel a little dissappointed. Then, on our last day, we noticed some white booths near our hostel. In front of the National Theatre was a design market. We spoke to the people there and heard it takes place around four times per year. The designers make all their products themselves. We spent the whole morning walking through the market. Many things where resemblant, there was a trend towards playful designs, animal-, bicycle- and navymotifs, dots and stripes, ballonskirts and gathered dresses (dare I say the designs where rather... retro? ^-^). In the end, however, I stuck with rather simple pieces: A T-Shirt with dandelion print, a pencil skirt with eye-catching pockets and a very cute (and important: big!) bag. At home, I took some photos of the things.
Sadly the internet sites of the market and the designers are all in Czech language only, which made it difficult for me to get further information. But of course one can always just look at the pictures :-)

The design market: http://www.dyzajnmarket.com
Naše věci:https://www.facebook.com/naseveci.brno
Faerie: http://www.faerie.cz/shopik/
Natyris: https://www.facebook.com/natyris.design/

So, with photos from back home again, I say goodbye for now. Hope too see you soon!
Eta Carina

Donnerstag, 19. Mai 2016

Fantasy Basel 2016

GUTEN ABEND
Die Welt ist eine Scheibe. Sie steht auf den Rücken von vier Elefanten, die wiederum auf einer riesengrossen Schildkröte durchs Weltall getragen werden, aber das wisst ihr natürlich alles schon, wenn ihr Terry Pratchetts Scheibenweltromane kennt. (Wenn ihr sie nicht kennt, solltet ihr das ändern!) Auf der Scheibenwelt kann man allerhand merkwürdigen Gestalten begegnen, wenn man Pech hat, auch dem Tod. Obwohl, eigentlich ist der Scheibenwelt-Tod ja ein sympathischer Zeitgenosse und sehr menschlich. Er hat ausserdem eine Enkeltochter, die Susanne heisst und manchmal für ihn einspringen muss.
Nun, Basel liegt leider auf der Rundwelt, aber auch hier traf man vor ein paar Tagen auf eine Menge merkwürdiger Wesen: Genau, es war wieder Fantasy Basel ("The Swiss Comic Con", wie die Veranstaltung sich selbst nennt). Und Dominik und ich waren als Tod und Susanne unterwegs.

Am Freitag waren wir mit Lukas dort, der unsere Sensen gemacht hatte. Falls ihr auch mal Bedarf nach einer Rüstung, einem Schwert oder ähnlichem haben solltet: Er nimmt unter seiner Facebook-Seite Aufträge entgegen: Ri'saads-Manufaktur. Zu den Kostümen: Die Tod-Maske hat Dominik selbst modelliert, ausser den Augen. Alles Genähte stammt von mir. Ich möchte gerne noch einen Post machen, indem ich etwas genauer auf das Nähen eingehe, ich hoffe, ich finde bald die Zeit dazu. Aber heute soll es vor allem um die Convention gehen.
Wir und Lukas (als Dark Eldar)
Tie Fighter aus Star Wars, gebaut von Project X1
Die Fantasy Basel ist seit ihrem Beginn im letzten Jahr stark gewachsen, sowohl was die Besucher angeht wie auch von der Ausstellungsfläche her. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir weniger gesehen haben als letztes Jahr. Vielleicht waren wir auch nur einfach gemütlicher unterwegs.
Eine der ersten Adressen, die wir ansteuerten, war das Cospital. Dieses Jahr gab es nämlich eine Art Erste-Hilfe-Station für Cosplays, bei denen irgend etwas kaputt gegangen ist. Die Leute dort waren klasse, sie haben es fertig gebracht, eine gebrochene Lötstelle ohne Lötkolben wieder zu flicken! Danach strahlten Tods Augen buchstäblich wieder...

Am Samstag besuchten wir einen Vortrag der beiden Cosplayerinnen Yaya Han und Calssara. Sie sprachen über Cosplay Etiquette, beantworteten aber am Schluss auch noch Fragen zu Cosplay allgemein. Beide haben wunderbare Internetseiten:
Ich bewundere ihre Kostüme, und auch, wie produktiv beide sind und finde es spannend, wie sie ihre Kostüme erklären O_O.

Zwei weitere Vorträge waren der Science Slam (welche Aspekte der Science Fiction sind wissenschaftlich betrachtet bald möglich?) und Bernd Greisingers Vortrag über Tolkiens Sprachen in Mittelerde. Beides war interessant, nur leider war der Raum nur durch Stellwände von der grossen Ausstellungshalle abgetrennt, so dass es sehr laut war und ich Mühe hatte, alles zu verstehen.

Wie schon im Vorjahr war ich nicht gross auf Shoppingtour. Was ich mir gekauft habe:
  1. Einen Steampunk-Roman von Martin Riesen, der nur schon darum ein toller Typ ist, weil er ebenfalls ein Terry Pratchett-Fan ist (und erkannt hatte, dass ich Susanne bin und nicht "die Frau vom Tod").
  2. Eine Ausgabe von Cohaku, einem Magazin über Cosplay. Vielleicht hat man es mir angemerkt, als ich über Yaya Han geschrieben habe: Ich bin ein totaler Neuling und begierig, zu lernen. 
  3. "Tell Band 2: Walter!", ein Comic von David Boller. Sogar mit Zeichnung! Um was es geht? Nun, man könnte es vielleicht mit "Wilhelm Tell meets Shadowrun" beschreiben.
Leider habe ich nicht so viele Fotos gemacht wie letztes Jahr. Wenn ihr neugierig seid, gibt es unter anderem hier Fotos. Aber besonders gefreut habe ich mich, als ich One Punch Man und Genos gesehen habe und Mabel, Dipper, Grunkle Stan und Bill aus Gravity Falls.

Übernachtet haben wir übrigens in der Jugendherberge im St. Alban-Quartier. Ich erzähle euch das, weil die Jugendherberge direkt neben einer Kirche mit einem alten Friedhof liegt, den wir am Samstag Morgen für einige Fotos genutzt hatten:


Ein sehr schönes Wochenende!
MAN SIEHT SICH



GOOD EVENING

The World is a disc. It is standing on the backs of four elephants, which again are being carried through space on a giant turtle, but of course you are aware of all that if you know Terry Pratchetts Discworld books. (If you don't, go change that!). There are many peculiar characters to meet on the discworld, even, if you are unlucky, Death himself. Although, Death is quite a nice guy, really, and very humane. He happens to have a granddaughter called Susan, who sometimes has to take over his job.
Sadly, Basel is situated on the Roundworld, but here, too, you could see a lot of fantastical folks a few days ago: I'm talking about the Fantasy Basel, of course (which is calling itself "The Swiss Comic Con"). And Dominik and I visited as Death and Susan.

On Friday we met Lukas there, who kindly had crafted our scythes. If you should need any armour, weapon or similar: He takes commissions on his Facebook site: Ri'saads-Manufaktur. About the costumes: Dominik modelled his mask himself, with some help from a friend with the eyes. Everything sewn is made by me. I'd love to make a second post where I explain the sewing process a bit further. I hope I can find the time! But today, let's talk about the con itself.

The Fantasy Basel has grown a lot since its beginnings last year, both in space and visitors. But I felt like I've seen less than last year, probably just because I was less hurried. One of the first booths we visited was the Cospital, some kind of first aid ward for costumes. The guys there where great: They managed to fix a broken solder point without a soldering iron! After that, Deaths eyes literally lit up again...

On Saturday we attended a panel with the cosplayers Yaya Han and Calssara. It was about Cosplay etiquette, but at the end they answered questions about cosplay in general as well. They both have wonderful websites:
I admire their costumes, their productivity and also, how they write about their work. O_O

Two more speeches where the Science Slams (Which aspects of Science Fiction could soon be possible?) and Bernd Greisingers lecture about Tolkiens elvish languages. Both where interesting, but sadly the room was only separated from the great hall by movable walls, so it was very loud and partly difficult to understand.

Like last year I wasn't on a big shopping tour. I only bought the following: 
  1. A Steampunk novel by Martin Riesen, who is a great guy, amongst others, because he is also a big Terry Pratchett fan. (and he recognized me as Susan and not "Deaths wife", like others did).
  2. An issue of Cohaku, a magazine about Cosplay. You might have noticed by my words about Yaya Han: I'm a total newby and hungry to learn! 
  3. "Tell Band 2: Walter!" a comic by David Boller. Even with a personal sketch! What is the comic about? Well, you might describe it as "Wilhelm Tell meets Shadowrun", but you best read it for yourself.
I couldn't take as many photos as last year. If you're curious you can find pictures here for example. But I was most delighted about meeting One punch man and Genos and Mabel, Dipper, Grunkle Stan and Bill from Gravity Falls, which aren't in that gallery. 

We slept at the youth hostel around St. Alban. I tell you this because the youth hostel is nearby an old cemetary, which we used to take some very adequate photos.

All in all it was a very nice weekend.
SEE YOU SOON

Freitag, 29. April 2016

Marktfotos und das komplette Kleid

Hallo

Nun ist es natürlich doch wieder etwas länger gegangen mit dem Post zum Unterkleid für mein neues Mittelalterkleid. Dafür habe ich noch einige Fotos vom Mittelaltermarkt zu Luzern von diesem Jahr mit hineingepackt, für den ich das Kleid ja genäht hatte. Aber immer schön der Reihe nach:
Das Unterkleid hat mehr oder weniger den selben Schnitt wie das Überkleid, wird aber vorne statt seitlich geschnürt und hat lange Ärmel. Ausserdem wollte ich, dass die Ärmel abnehmbar sind, falls ich es mal mit einem anderen Kleid kombinieren will oder wenn es im Sommer sehr heiss wird.
Weil die Ärmel separat waren, brauchte ich sehr viele Belege: Am Ausschnitt, an den Ärmeln und Armlöchern.


Innenseite

An den Rändern der Ärmel und Armlöcher habe ich einen Festonstich gestickt. Dazwischen habe ich eine Häkelschnur durchgefädelt, um Kleid und Ärmel zusammenbinden zu können.



Ärmel angemacht

Und so sieht es mit dem Überkleid zusammen aus:


Und wie war der Mittelaltermarkt 2016? Nun, zuerst kalt, dann warm, und im Grossen und Ganzen schön! Am Sonntag Morgen hatte ich sogar kurz Zeit, um über den Platz zu gehen und ein paar Fotos zu machen.





Die Zeitmaschine des Alchemisten 


Schaukampf
Wenn ihr noch mehr Fotos sehen wollt, in der Galerie von www.mittelaltermarkt-luzern.ch werdet ihr mehr als fündig.

Und jetzt muss ich auch schon wieder aufhören mit schreiben. Nächste Woche ist Fantasy Basel und ich wünschte, ich könnte behaupten, dass ich schon im Endspurt für mein Kostüm bin, aber so weit bin ich leider noch längst nicht!

Alles Liebe
Eta Carina



Hello

It took me a little longer to make this post about my undergown for the new medieval dress. As an apology I added some photos of the medieval fair in Lucerne, where I first wore it. But let's talk about the dress first:
The undergown has more or less the same cut as the dress itself, but it's laced at the front instead of the sides and has long sleeves. What's more, I wanted the sleeves to be detachable, in case I want to combine the undergown with other (future) dresses or for when it gets too hot in the summer.
Because the sleeves where separate, I needed a lot of hem facings: For the neckline, on the sleeves and the arm holes.

I used a blanket stitch along the edges of the sleeves and the arm holes. Then I put a crocheted cord through it to tie dress and sleeves together.

On the sixth picture you can see me wearing the complete outfit. I may not look like it on the photo, but I'm quite happy with the result!

And how was the medieval fair itself? Well, first it was cold, then warm, and all in all very nice! This year, I even had some time to walk around and take some pictures. If you want to see more, go to the gallery at www.mittelaltermarkt-luzern.ch, there are loads of photos!

And now I really have to stop writing. Next week is the Fantasy Basel and my new costume is still far from "nearly finished".

Love
Eta Carina


Montag, 4. April 2016

Neues Mittelalterkleid

Seid gegrüsst!

Pünktlich zum Mittelaltermarkt habe ich mein neues Kleid fertig. Die Vorbilder für das Kleid könnt ihr in meinem letzten Post sehen.

Die Arme in die Seiten gestemmt, damit man die Ärmel auch schön sieht!
Kleid: selbstgenäht
Haarnetz: http://www.die-netzerin.de
Schuhe: http://www.allerley.ch
Gürtel: http://new.armourandcastings.com

Die Grundform für die Ärmel habe ich auf der stets zuverlässigen Internetseite Flinkhand gefunden (http://www.flinkhand.de/index.php?gewand_surcot). Ansonsten habe ich ein eigenes Schnittmuster anhand meiner Körpermasse gezeichnet. Auf dem übernächsten Bild seht ihr die Vorderseite mit zwei eingesetzten Geren (die Dreiecke), die dem Kleid seine Weite geben.

Geren

Das Kleid wird an den Seiten zusammengeschnürt. Die Löcher habe ich umstickt, damit sie stabil bleiben:


Wie ihr vielleicht noch von meiner Recherche wisst, haben solche Kleider häufig schmale Zierstreifen an den Säumen. Ich habe dafür keine Borte gemacht, sondern gestickt. Es handelt sich um eine Mischung aus Klosterstich und Kreuzstich: Ich habe einen grünen Wollfaden auf den Stoff gelegt und mit dem weissen Faden festgestickt. Das Resultat gefällt mir sehr gut, die Stickerei ist plastischer, als wenn ich nur mit weiss gestickt hätte. 

 

Einige Worte zum Ärmel-Füttern:
Füttern ist schwierig. Also nicht die Ausführung, aber die Logik dahinter. Mein erster Versuch wäre nur dann brauchbar, wenn man auf jeder Seite zwei Oberarme hat. Die in jeweils einen Unterarm münden. Und die Hände im Ärmel verpackt bleiben. Schliesslich hatte ich es dann aber geschafft. Ich kann zwar immer noch nicht in Worte fassen, was man Schritt für Schritt machen muss und wieso, aber falls ihr auch mal solche Ärmel nähen wollt, hoffe ich, dass wenigstens die Fotos ein bisschen weiterhelfen.

1. Versuch (gescheitert)

Die linken Seiten richtig zusammengenäht

Sucess!

Nachdem die Ärmel genäht waren, ging der Rest dann fast von alleine. Passend zum Kleid gibt es noch ein Unterkleid, das in wenigen Tagen folgen wird.
Bis dann alles Gute
Eta Carina



Greetings!

Just in time for the medieval market I finished my new dress. You can see the examples for it in my last post.
I found the basic shape for the sleeves on the ever reliable web page Flinkhand. For the rest I had to draw my own pattern from my body measures. The third picture from above shows the front side with two gores (triangles). The gores determine the with of the dress.
The dress is laced on the sides. I used a buttonhole stitch to secure the eyelets.
As you might remember, the dresses I found during my research had small stripes down the borders of the dresses. I stitched them (instead of tablet weaving). The stitching is done in some sort of mix between surface couching and cross-stitch: I laid a green thread on the fabric and stitched it in place with a white thread. I like the result, as the underlying thread makes the whole ornament slightly three-dimensional.
A few words on lining the sleeves: It's difficult! And I mean not so much the execution but the logic behind it. My first try failed, unless if I had two upper arms per side, ending in one arm with the hands hidden inside the sleeves. In the end I worked out how to do it, but I still can't really explain it. But if you choose to one day sew such sleeves I hope the pictures might help at least.
After finishing the sleeves the rest was a lot easier. There's an undergown for this dress as well, which I'll upload in the next few days.

Until then I wish you well
Eta Carina

Donnerstag, 31. März 2016

Sexy. Badass. Medieval!

Guten Abend

Verzeiht mir den reisserischen Titel, aber den konnte ich mir nicht verkneifen. Ich wollte ihn auch nicht übersetzen, weil er so einfach schmissiger rüberkommt. Jedenfalls möchte ich heute über die Recherche zu meinem neuen Mittelalterkleid schreiben, und die begann eigentlich ganz unspektakulär:Vor etwa einem Jahr bekam ich ein wunderschönes Haarnetz geschenkt. Ich begann darum nachzulesen, zu welchen Kleidern man im Mittelalter Haarnetze trug. Auch wollte ich, dass mein nächstes Mittelalterkleid hitzesommertauglicher wird als das, was ich im Moment habe.
Vor allem für das Spätmittelalter und die Renaissance findet man viele Bilder von Haarnetzen, aber meistens waren die sehr aufwändig gemacht, mit Goldreifen, Schleiern und anderem Zierrat, dabei suchte ich eher nach schlichten Exemplaren. Schliesslich landete ich beim Stundenbuch von Taymouth. Dies stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist reich illustriert. Die abgebildeten Frauen sind aber nicht wegen ihrer Haarpracht bemerkenswert, sondern weil sie auf der Jagd sind und dabei nicht gerade zimperlich vorgehen. Zu den harmloseren Darstellungen zählen das erfolgreiche Fallenstellen und das Jagen mit Pfeil und Bogen. Die Damen lassen aber auch ihre Falken auf das Wild los und verfüttern Eingeweide an ihre Jagdhunde.

Das Buch wurde von der British Library digitalisiert
(die Ausschnitte auf diesem Blog sind von mir gemachte Screenshots von der Website):
http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=yates_thompson_ms_13_fs001r







So sehr mich diese Darstellung von Gewalt auch erfreut, wir müssen uns auf die Kleidung konzentrieren. Und die hat einige typische Merkmale: Die Haare werden seitlich hochgesteckt und unter einem Haarnetz getragen. Die Kleider haben ellbogenlange Ärmel mit "Zipfeln" dran. Die Unterkleider haben enganliegende Ärmel. Der Ausschnitt ist sehr weit, er scheint z.T. fast über die Schultern zu gehen. An Ausschnitt, Saum und Ärmeln sind schmale, helle Zierstreifen.

Christine de Pizan im Studierzimmer, Le Livre de la Cité des Dames, Harley MS 4431 fol. 4r ca. 1410
Und wir bleiben bei Frauen, die das "holde Maid"-Klischee sprengen: Meine weitere Suche führte mich zu Christine de Pizan. Sie war eine französische Schriftstellerin im Mittelalter. Ihr bekanntestes Werk ist "La Cité des Dames": Die Hauptfigur (Pizan selbst) ist empört über einen frauenfeindlichen Text eines Zeitgenossen, worauf ihr die drei Tugenden erscheinen. Mit deren Hilfe erbaut sie die titelgebende Stadt der Frauen. Aber ich schweife schon wieder ab! Eben, die Kleidung: Obwohl hier das Haarnetz fehlt, haben wir auch hier wieder die "Zipfel-Ärmel" (der Fachbegriff ist, glaube ich, Eselsohrärmel) und der weite Ausschnitt (obwohl man bei genauem Betrachten sieht, dass das weisse Unterkleid hochgeschlossen ist). Das Kleid hier ist noch figurbetonter. So auch bei diesem Bild aus dem selben Buch:

Hippomenes und Atalante, Le Livre de la Cité des Dames, Harley MS 4431 fol. 128, ca. 1410
Und zum Abschluss nochmals ein Bild mit Haarnetz, diesmal aus dem Alexanderroman:
Jean de Grise, Alexanderroman, Bodley MS 264 fol.101, 1338-1344
Das ist also das Kleid, an dem ich im Moment arbeite: Ein figurbetontes Kleid, wie man es im 14. Jahrhundert oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts getragen hat, mit weitem Ausschnitt und Eselsohrärmeln. Bis bald also!
Eta Carina

Fussnote 1: Auch Christine de Pizans Buch wurde von der British Library digitalisiert:
http://www.bl.uk/manuscripts/SetupViewerHandler.ashx?ref=harley_ms_4431_f001r

Fussnote 2: Folgende Seite hat sich im Detail mit dem spätmittelalterlichen Hals-Ausschnitt beschäftigt. Dort findet ihr auch noch mehr Beispiele für die speziellen Ärmel und Frisuren zu der Zeit:
http://cottesimple.com/fitted-dress/fitted-dress-neckline/

Fussnote 3: Meine Pinterest-Sammlung zum Kleid:
https://www.pinterest.com/carinasarmoire/14-jahrhundert/


Good evening

Sorry for that lurid title, I just couldn't resist. However, today's post really is just about the research for my new medieval dress, which started quite simple: About a year ago I received a truly beautiful hair net. So I started reading about dresses which would go well with it. Additionally, I wanted my next dress to be more comfortable in warm weather. 
You can find many hair nets in late medieval and renaissance pictures., but those where mostly very intricate, with hoops and veils and other ornaments, whereas I was searching for something simpler. At last I found the Taymouth hours. It's a 14th century hour book with rich illustrations. But the women depicted aren't so outstanding for their hair, but because they are shown on a hunt. The more harmless pictures show them building traps or shooting arrows. But you can also see them at falconry and feeding the wild animals' entrails to their dogs.

The book was digitalized by the British Library
(the details shown here are screenshots made by me):
http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=yates_thompson_ms_13_fs001r

Although I would like to dwell on that violence for longer, we must focus on the clothing. There are some characteristics: The hair is worn to the sides in hair nets. The dresses' sleeves go down to the elbow and end in tippets. The underdresses have long tight sleeves. The neckline is very wide, it sometimes seems to even go over the shoulders. There are narrow, bright lines around neckline, seam and sleeves.

Now, let's stay with not so typical medieval women for a little longer: My further search lead me to Christine de Pizan. She was a french author in the late medieval era. Her most famous book is "the Book of the City of Ladies": The main character (Pizan herself) is enraged by a not very women-friendly text by another author, whereupon he three virtues appear. She builds the titular City of Ladies with them. But I digress! The clothes: The hair nets are missing here, but again we have the tippets and the wide neckline (although you can see a high-necked underdress too). The dress is even more fitted. Like on the second picture of the same book. The last picture is from the Alexander Romance. It shows another similar dress, but again with hair net.

So this is the kind of dress I'm currently working on: Fitted, from the 14th/early 15th century, with a wide neckline and tippet sleeves. So see you soon!
Eta Carina

Footnote 1: Christine de Pizans Buch was also digitalized by the British Library:
http://www.bl.uk/manuscripts/SetupViewerHandler.ashx?ref=harley_ms_4431_f001r

Footnote 2: There's an in-depth article about the late medieval neckline on this website. There are also excellent examples of the specific sleeves and hairdos of that time:
http://cottesimple.com/fitted-dress/fitted-dress-neckline/

Fussnote 3: My Pinterest-board about the dress:
https://www.pinterest.com/carinasarmoire/14-jahrhundert/



Montag, 22. Februar 2016

Belle Epoque-Woche in Kandersteg

Guten Abend

Bald einen Monat ist's her, als in Kandersteg Ende Januar die Belle Epoque-Woche stattfand. Ich hatte mir für den Anlass ein Kostüm genäht, das ich nun spazieren führte. Dominik lieh seine Kleider vom Luzerner Theater. Wir waren zwei Tage in Kandersteg, am Freitag und Samstag.

1. Tag: Ankommen und Abendessen
Wir kamen am frühen Nachmittag an und verbrachten den Rest des Tages sehr gemütlich damit, das Hotelzimmer zu beziehen, durch das Dorf zu schlendern und etwas zu essen. Mir gefällt an den Belle Epoque-Tagen sehr, wie wirklich das ganze Dorf mitmacht und viele Sachen in den Läden und Hotels präsentiert werden, wie zum Beispiel die Ausstellung von Jean Playfair Evans. Am Abend gingen wir ins Hotel Ermitage essen. Das Hotel ist ein bisschen ausserhalb, wodurch wir einen schönen Spaziergang unter den Sternen hatten.



2. Tag: Lolitas und Leckerbissen
Gegen Mittag kamen die Lolitas mit dem Zug an. Wir besuchten die Hut-Ausstellung, schlenderten abermals durch's Dorf und machten Fotos. Einige davon könnt ihr auf Süssings Blog sehen!
Danach verabschiedeten wir uns von Dominik und machten uns auf zum Hotel Doldenhorn, wo Afternoon Tea serviert wurde. Dazu fand auch eine Modeschau statt, organisiert von Pat's Uniform und Kostümverleih. Dieser Laden war mir schon an der Fantasy Basel aufgefallen, wo sie einen Fotostand hatten. Sie zeigten einige wirklich wunderbare Kostüme! Nach der Modeschau fand auch die Prämierung des besten Hutes statt. Ich fühlte mich ein klein wenig nackt unter meinem zwar grossen, aber ganz und gar undekorierten Hut. Na, aber "Hut beladen", das kommt auf die To-do-Liste für nächstes Jahr!

Foto: Lea

Nachspiel: Wenn du es selbst an- und ausziehen kannst, ist es nicht ladylike genug
Während dieser zwei Tage bekam ich ein bisschen ein Gespür dafür, wie es gewesen sein muss, in den damaligen Kleidern herumzulaufen. So brauchte ich Hilfe, um das Oberteil auf- und zuzumachen und auch die Frisur brauchte, obwohl unter dem Hut versteckt, einige Zeit. Schwierigkeiten hatte ich aber erst, als ich am Samstag Abend daheim ankam: Ausser mir war niemand zu Hause, der mir aus meinem Kleid helfen konnte und langsam war es mir doch unbequem geworden! Freunde oder Bekannte, die in der Nähe gewohnt hätten, waren entweder nicht erreichbar, nicht in der Stadt oder dann war es mir zu peinlich, sie anzurufen. Ich musste mir also selbst helfen. Schliesslich trennte ich die Ärmelnähte ein Stück weit auf. Erst dadurch bekam ich überhaupt genügend Bewegungsfreiheit, um längere Zeit an den Ösen herumzufummeln, so dass ich mich schliesslich doch noch befreien konnte. Ich muss sagen, solche Sorgen dürften heutzutage doch eher selten sein.

Gute Nacht
Eta Carina


Good Evening

It's been about a month now that we've been to the Belle Epoque Week in Kandersteg. I had sewn costume for the occasion, which I could finally wear now. Dominik rented his clothes from the Luzerner Theater. We we're there for two days, on Friday and Saturday. 

Day 1: Arrival and dinner
We arrived in the early afternoon and spent the day in a quite lazy way, going to the hotel, walking through the village and eating. I really like how the whole village takes part in the event. A lot of things are displayed or take place inside the different shops and hotels, like the exhibition about Jean Playfair Evans for example. In the evening we went to dinner at the hotel Ermitage. The hotel is a little bit out-of-the-way, which made for a nice evening walk.

Day 2: Lolitas and delicacies
Around noon the next day the Lolitas arrived. We visited an exhibition about hats, strolled through the village once more and took photos. You can see some of them on Süssings Blog! Sadly, Dominik had to leave then. Now it was about time to go to the Hotel Doldenhorn, where they served Afternoon Tea. There was also a fashion show, organized by Pat's Uniform und Kostümverleih. I had heard the name before because they also where at the Fantasy Basel and they showed some stunning costumes! After the show there was a contest for the best Belle Epoque hat. I felt a little bit naked, in fact wearing a hat, but a totally undecorated one! Well, this is definitely a task for next year.

Encore: If you can pull it on and off yourself, it's not ladylike enough
During those two days I learned how it might have been to wear such clothes regularly. I needed help to open and close the hooks and eyes on my bodice and my hair, although hidden underneath a hat, took quite some time as well. But things only got really complicated in the end. When I arrived home on Saturday night I realised there was no-one at home who could help me get changed. And the clothes started to feel quite uncomfortable! Of the people who lived nearby there was either nobody at home or I was too embarrassed to call, so I had to solve the problem myself. In the end, I cut the seams of the sleeves open so I could move just enough to open the hooks. Finally, I was free again. Well, you don't get such problems too often nowadays.

Good night!
Eta Carina